Ägyptens Prinzessinnen vor 4000 Jahren: Knochen verraten erstaunliches Geheimnis

Vor 4000 Jahren trainierten ägyptische Prinzessinnen mit Waffen – ihre Knochen erzählen zugleich von Brüchen, Infektionen und Mangel.
Ägyptens Prinzessinnen vor 4000 Jahren: Knochen verraten erstaunliches Geheimnis Uns auf Google folgenVor 4000 Jahren trainierten ägyptische Prinzessinnen mit Waffen – ihre Knochen erzählen zugleich von Brüchen, Infektionen und Mangel. Der Schmuck war kostbar, die Gräber prunkvoll – doch diese ägyptischen Prinzessinnen führten vor rund 4000 Jahren offenbar kein Leben als zarte Hofdamen. Ihre Knochen tragen Spuren kräftiger Muskeln an Schultern, Armen und Händen. Sie passen zu jahrelangem Training mit Pfeil und Bogen. Die Waffen in ihren Gräbern waren deshalb wohl mehr als Symbole königlicher Macht. Ob die Frauen in Schlachten kämpften, bleibt offen. Mit Bögen, Dolchen oder Keulen umgehen konnten sie offenbar selbst. Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit dem Wissensmagazin SMART UP NEWS Wissenswertes aus Gesundheit und Ernährung, neuen Technologien, Umwelt- und Klimathemen sowie Psychologie und Lebensstil – smartup-news.de. Jeden Tag klüger. Ein Forschungsteam untersuchte die sterblichen Überreste von fünf königlichen Frauen aus Dahschur, etwa 30 Kilometer südlich von Kairo. Der Beitrag erschien im Fachjournal Frontiers in Environmental Archaeology. Die Frauen lebten im ägyptischen Mittleren Reich. Zu ihnen gehörten die Schwestern Ita, Khenmet und Itaweret sowie Noub-Hotep. Eine weitere Frau war wahrscheinlich Prinzessin Sathathormeryt. Auch das Skelett von König Hor war Teil der Untersuchung. Knochen belegen das Bogenschießen ägyptischer Prinzessinnen Archäologen hatten die Gräber bereits 1894 und 1895 nahe den Pyramiden der Pharaonen Amenemhat II. und Amenemhat III. geöffnet. Danach gerieten Teile der menschlichen Überreste für mehr als ein Jahrhundert in Vergessenheit. Erst 2020 entdeckten Mitarbeiter des Ägyptischen Museums in Kairo die Knochen wieder in Holzkisten im Keller. Alte Beschriftungen auf den Knochen, Papierhüllen und Zeitungsresten halfen bei der Zuordnung. Von den einst sorgfältig mumifizierten Körpern war nur ein Teil erhalten. Feuchtigkeit und schlechte Konservierung hatten das Gewebe weitgehend zerstört. Die Schädel der Prinzessinnen gelten seit dem frühen 20. Jahrhundert als verschollen. Dennoch konnten die Archäologen Alter, Geschlecht, Körpergröße, Verletzungen und körperliche Belastungen bestimmen. Dafür untersuchten sie die Knochen äußerlich und fertigten Röntgenaufnahmen an. Starke Arme verraten jahrelanges Training Besonders auffällig waren die Ansatzstellen von Muskeln, Sehnen und Bändern. Sie verändern sich, wenn bestimmte Bewegungen über viele Jahre immer wieder ausgeführt werden. Bei mehreren Frauen waren jene Bereiche stark ausgeprägt, die beim Spannen eines Bogens, beim Stabilisieren einer Waffe oder beim kräftigen Greifen arbeiten. „Wir fanden eine ausgeprägte Entwicklung an den oberen Gliedmaßen dieser Personen“, sagt Studienleiterin Zeinab Hashesh von der Universität Beni-Suef laut Frontiers. Die Veränderungen passten zu wiederholten, kraftvollen Bewegungen wie dem Ziehen einer Bogensehne. Die Waffen seien deshalb vermutlich keine reinen Grabgeschenke gewesen, sondern Gegenstände, die ihre Besitzerinnen zu Lebzeiten benutzt hätten. Bei Itaweret fanden sich kräftige Ansätze der Brust- und Schultermuskeln sowie robuste Bänder an beiden Schlüsselbeinen. Solche Spuren passen zum Bogenschießen. Noub-Hotep besaß stark entwickelte Muskelansätze an Unterarmen und Händen. Ein gekrümmter Mittelhandknochen könnte auf die dauerhafte mechanische Belastung beim Greifen und Spannen zurückgehen. In ihrem Grab lagen Pfeile. Ita wiederum dürfte häufig einen Dolch, eine Keule oder eine ähnliche Waffe gehalten haben. Ihre rechte Schulter und mehrere Muskeln des rechten Unterarms waren besonders kräftig entwickelt. Auch die Handknochen trugen Spuren starken Greifens. In ihrem Sarg lag ein aufwendig gearbeiteter Dolch mit verziertem Griff. Verheilte Brüche erzählen von einem aktiven Leben Das Leben der königlichen Frauen war körperlich belastender als lange angenommen. Itaweret hatte sich mindestens zwei Rippen sowie mehrere Knochen im Fuß gebrochen. Alle Verletzungen waren verheilt. Als mögliche Ursachen nennen die Experten einen Sturz, einen schweren Schlag oder andere Unfälle bei körperlich anspruchsvollen Tätigkeiten. Auch Noub-Hotep wies eine verheilte Verletzung an einem Wirbel auf. Bei König Hor entdeckte das Team einen alten Bruch an der rechten Hand sowie verheilte Verletzungen am Schädel. Solche Befunde beweisen keine Teilnahme an Kämpfen. Gemeinsam mit den kräftigen Muskelansätzen sprechen sie jedoch gegen das Bild eines ausschließlich geschützten und bewegungsarmen Lebens am Hof. Die gut verheilten Knochen lassen zugleich auf eine sorgfältige Behandlung schließen. Schienen, Wundversorgung und das Einrichten von Brüchen waren im alten Ägypten bekannt. Fehlstellungen oder schwere Infektionen an den Bruchstellen fanden die Wissenschaftler nicht. Der königliche Rang verschaffte den Betroffenen wahrscheinlich Zugang zu guter medizinischer Versorgung. Königlicher Luxus verhinderte Krankheit und Mangel nicht Vor anderen Beschwerden schützte der Reichtum offenbar weniger zuverlässig. Khenmets Knochen hatten an Dichte und Masse verloren. Die Forscher halten Osteoporose für möglich, erklären jedoch, dass weitere Analysen nötig sind. Gekrümmte Mittelhandknochen könnten außerdem mit einer Stoffwechselstörung wie Vitamin-D-Mangel zusammenhängen. An mehreren Oberschenkel- und Schienbeinknochen fanden sich Spuren von Entzündungen oder früheren Infektionen. Bei König Hor deuteten Veränderungen am Schädel auf körperlichen Stress während des Wachstums hin. Als mögliche Ursachen kommen chronische Erkrankungen, Infektionen oder eine unzureichende Versorgung mit Nährstoffen infrage. Eine eindeutig nachgewiesene Mangelernährung bei allen Prinzessinnen ergibt sich daraus jedoch nicht. Mehrere seltene Fehlbildungen an der Wirbelsäule traten innerhalb der Gruppe wiederholt auf. Ita besaß eine Form der Spina bifida, Khenmet eine Spalte am ersten Halswirbel. Hor und Noub-Hotep zeigten ähnliche Veränderungen am Übergang zwischen Wirbelsäule und Kreuzbein. Die Häufung stützt die Annahme enger verwandtschaftlicher Beziehungen innerhalb der königlichen Familie. Weihrauch und Wacholder konservierten die königlichen Toten Chemische Analysen lieferten außerdem Hinweise auf die Mumifizierung. An fast allen Knochen haftete eine Mischung aus Weihrauch und Wacholderharz. Nur bei Ita bestand die untersuchte Probe allein aus Wacholder. Die kostbaren Stoffe kamen vermutlich über weite Handelswege nach Ägypten und wurden als schützende und rituelle Einbalsamierungsmittel verwendet. Weitere Untersuchungen sollen offene Fragen klären. Geplant sind Analysen alter DNA und stabiler Isotope. Sie könnten mehr über die Verwandtschaft, Herkunft und Ernährung der königlichen Familie verraten. Die fehlenden Schädel und die unvollständig erhaltenen Skelette setzen den Wissenschaftlern allerdings enge Grenzen. Kurz zusammengefasst: - Vor rund 4000 Jahren nutzten ägyptische Prinzessinnen offenbar selbst Bögen, Pfeile, Dolche und Keulen, wie kräftige Muskelansätze an ihren Knochen nahelegen. - Verheilte Rippen-, Fuß- und Handbrüche sprechen für ein körperlich aktives Leben und zugleich für eine gute medizinische Versorgung am Königshof. - Königlicher Rang schützte dennoch nicht vor Infektionen, Stoffwechselproblemen und möglichem Nährstoffmangel; die Befunde betreffen jedoch nicht alle untersuchten Prinzessinnen gleichermaßen.
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