Alles andere als ein Manko im ZDF-Programm: «Das Manko»

Die Comedyserie über inkompetente Angestellte bricht mit Sehgewohnheiten. Was man zu der gefeierten Arbeitswelt-Groteske vom «Stromberg»-Macher Arne Feldhusen wissen sollte.
Berlin (dpa) Die Comedyserie über inkompetente Angestellte bricht mit Sehgewohnheiten. Was man zu der gefeierten Arbeitswelt-Groteske vom «Stromberg»-Macher Arne Feldhusen wissen sollte. Charlie Chaplin, Jerry Lewis und Mister Bean lassen grüßen, auch an Jacques Tati, Benny Hill, Louis de Funès oder die Theaterinszenierungen von Christoph Marthaler und Herbert Fritsch müssen manche bei der ZDF-Serie «Das Manko» und ihrer Körperkomik - neudeutsch Physical Comedy - denken. Die bei Festivals in Lille, Köln und Valencia ausgezeichnete Comedy-Serie über inkompetente Angestellte bricht enorm mit deutschen Sehgewohnheiten. Die Arbeitswelt-Groteske vom «Stromberg»-Macher Arne Feldhusen wird als Kunstfernsehen und Fernsehkunst gefeiert. Ein paar Fragen und Antworten. Worum geht es? «Elf unfähige Behördenangestellte sollen gefeuert werden, landen jedoch durch ein Versehen in einem Weiterbildungsprogramm für High Performer», lautet die Beschreibung des ZDF und der Produktionsfirma Razor Film. «Der Beginn einer absurden Odyssee.» Ein Unternehmensberater macht in Folge eins einem Abteilungsleiter (gespielt von Bjarne Mädel) Druck: «Und in diesem Umschlag sind die Leute, die sie dringend freistellen sollten, das Manko ihrer Firma.» Das erklärt auch den Titel «Das Manko». Wie lang dauert das? Die Folgen sind nur zwischen 20 und 25 Minuten lang. Die Gesamtdauer der vierteiligen Serie liegt entsprechen bei unter 90 Minuten. Normale Fernsehfilmlänge. Nur eben ganz anders. Der «Spiegel» meinte: «Nur ein Manko hat "Das Manko": Mit vier Folgen ist die Serie viel zu kurz.» Darüber kann man sicher streiten, denn es gibt allerhand Redundanz, etwa mit einem autonomen Bus, dessen Komik überreizt wird. Wer steckt dahinter? Das Projekt entstand unter der Regie von Arne Feldhusen gemeinsam mit dem Schauspielensemble «Das Manko GbR». Feldhusen zeigte schon bei Serien wie «Stromberg» (einer Adaption der britischen Serie «The Office») und bei der Comedy-Serie «Der Tatortreiniger» mit Bjarne Mädel als Gebäudereiniger Schotty sein Talent, skurrile Arbeitswelten aufzuspießen. Was sagt der Regisseur? «Seit über 20 Jahren drehe ich vor allem komödiantische Serien - doch noch nie hat mich ein Projekt so beglückt wie "Das Manko"», zitiert das ZDF den Regisseur Feldhusen («Mord mit Aussicht», «How to Sell Drugs Online (Fast)»). «Das elfköpfige Theaterkollektiv "Das Manko" besteht seit 2020. Mit vielen der Ensemblemitglieder habe ich bereits gedreht.» Als das Kollektiv den Wunsch äußerte, seine Arbeit ins Filmische zu übertragen, sei er begeistert gewesen. Der absurd-groteske Humor sei «mutig, eigenwillig und in Deutschland selten». Was sagen Kritiker? «Die lustigste deutsche Serie seit Jahrzehnten», meinte die «Berliner Morgenpost». «Im deutschen Fernsehen hat man eine solch durchkomponierte Form der Physical Comedy noch nicht gesehen», schrieb der «Spiegel». Der Branchendienst «DWDL.de» rezensierte: «Arne Feldhusens dadaistischer Mix aus Monsieur Hulot und Bernd Stromberg, Themroc und den Teletubbies ist eine Zumutung. Aber sie macht Riesenspaß.» Das Fachmagazin «epd Film» lobte: «Geradezu genial in der Abstimmung von Darstellung, Musik (Carsten Meyer) beziehungsweise Sounddesign (Philipp Feit) und Schnitt (Benjamin Ikes) fügen sich die vier Folgen nicht zuletzt durch den von Sophie Rois naturlexikalisch trocken gesprochenen Offkommentar über das Verhalten von Herden zu einer Feier der Inkompetenz.» Lohnt sich das wirklich? Folge eins ist mit Abstand die gelungenste. Wie hier in brutalistischer Betonarchitektur der Büroalltag aufs Korn genommen wird, ist sehenswert. Alles ist beige, bitter und boring im Großraumbüro. Niemand spricht. Als plötzlich das Telefon klingelt, erschrickt das Kollektiv fast zu Tode. Um Himmels willen, es gäbe nun was zu tun! Man müsste reagieren, gar handeln. Dem Schrecken folgt ein Absturz zurück in die Lethargie. Dann verkündet der Chef über die Lautsprecheranlage eine frohe Botschaft: Schnitzeltag! Später wird zusammengequetscht in einem Raum mit Glastür geraucht. Das führt zu sehr ulkigen Verrenkungen. In Folge zwei geht es ins Krankenhaus, es gibt eine rasante und alberne Jagd mit dem personifizierten Tod. In Folge drei kommt es in einem Logistikzentrum zu einer fast schon Brechtschen Musical-Revolution. Folge vier spielt im Himmel, gedreht wurde im Bauhaus-Unesco-Welterbe in Bernau bei Berlin (in der ab 1928 gebauten Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes). Brillant ist hier als Gastschauspielerin die Komikerin Anna Mateur als himmlische Schutzengel-Ausbilderin. Kommt das auch im Fernsehen oder nur online? Die Serie ist seit 13. Juli im ZDF-Streaming-Portal abrufbar. Eine lineare Ausstrahlung des kollaborativ entstandenen Formats ist mitten in der Nacht Mitte August geplant (17./18.8. ab 00.15 Uhr).
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