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Deutscher Tech-Riese baut neues Werk – und schafft 700 Arbeitsplätze

Deutscher Tech-Riese baut neues Werk – und schafft 700 Arbeitsplätze
Source:merkur

Der Technologiekonzern Siemens mietet das ehemalige Manroland-Gelände in Offenbach und baut dort ein Vorfertigungswerk für gasisolierte Schaltanlagen. Bis 2030 entstehen schrittweise bis zu 700 neue Stellen.

Deutscher Tech-Riese baut neues Werk – und schafft 700 Arbeitsplätze Uns auf Google folgenDer Technologiekonzern Siemens mietet das ehemalige Manroland-Gelände in Offenbach und baut dort ein Vorfertigungswerk für gasisolierte Schaltanlagen. Bis 2030 entstehen schrittweise bis zu 700 neue Stellen. Offenbach – Nach und nach kehren Industriearbeitsplätze nach Offenbach zurück: Nur wenige Monate nach der Hiobsbotschaft, dass Manroland sein Werk an der Mühlheimer Straße schließt, hat sich mit Siemens ein Mieter für das Gelände gefunden. Siemens, das bisher in Frankfurt ansässig ist, will in der Region expandieren. In Offenbach soll ein Vorfertigungswerk entstehen, das bereits im kommenden Jahr seine Arbeit im Drei-Schicht-Betrieb aufnehmen und Teile für gasisolierte Schaltanlagen herstellen soll. Bitte stellen Sie sich und Ihre Aufgaben bei Siemens kurz vor. Mark Backhaus: Ich bin Standortleiter des Siemens Schaltanlagenwerks Frankfurt, das aus dem Stammwerk in der Carl-Benz-Straße in Frankfurt-Fechenheim und einem Werk in der Daimlerstraße im Frankfurter Ostend besteht, und nun um ein Zulieferwerk in Offenbach erweitert wird. Ich bin 44 Jahre alt und seit 17 Jahren bei Siemens tätig. In dieser Zeit hatte ich die Gelegenheit, in Kanada Auslandserfahrung zu sammeln, und war zuvor in unseren Werken in China und Indien aktiv. Ich bin ausgebildeter Wirtschaftsingenieur mit der Fachrichtung Maschinenbau. Henry Prumbs: Ich bin internationaler Netzwerkmanager des Fabrikverbundes der gasisolierten Mittelspannungsschaltanlagen von Siemens, 52 Jahre alt, und seit über 25 Jahren in unterschiedlichen Funktionen bei Siemens tätig. Teile für gasisolierte Schaltanlagen sollen in Offenbach gefertigt werden. Wofür werden die benötigt? Backhaus: Aufgrund der hohen Nachfrage nach gasisolierten Schaltanlagen erweitern wir das Schaltanlagenwerk zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren. Das ist stark bedingt durch drei Themenfelder: den rasanten Ausbau von Rechenzentren, den steigenden Strombedarf durch E-Mobilität sowie die Dekarbonisierung bei Gebäuden und Industrieprozessen. Nach Offenbach werden wir die Vorfeldprozesse verlagern: die Blechfertigung, die Laserschweißerei, die Baugruppenfertigung und die Niederspannungskastenfertigung. Im Stammwerk in Frankfurt werden wir dadurch die Produktionskapazitäten für die Endmontage deutlich ausbauen, in einigen Bereichen nahezu verdoppeln. Wir werden die Fertigung aufteilen: Vorfertigungsprozesse werden in Offenbach angesiedelt; Endmontage, Prüfung und Kundenabnahme in Frankfurt. Bitte ganz einfach erklären: Was sind gasisolierte Schaltanlagen? Backhaus: Wie der Name sagt, schalten die Anlagen Strom im Mittelspannungsnetz, verteilen Strom, sichern ihn ab. Unsere Anlagen sind intelligent, erkennen Fehler im Netz und reagieren darauf, beispielsweise schalten sie dann ab oder schalten andere Netzbereiche hinzu. Und sie ermöglichen das Trennen des Stroms, wenn etwa Wartungsarbeiten gemacht werden. Prumbs: Jedes Energieversorgungsunternehmen in Europa und wahrscheinlich in großen Teilen der Welt benutzt unsere Anlagen, um ihr Stromnetz zu betreiben. Sie sind also Weltmarktführer? Prumbs: In bestimmten Bereichen, ja. Es kommt auf die Produkte an, wir sind entweder Weltmarktführer oder unter den Top drei. Bei der Nachricht, dass Siemens nach Offenbach kommt, hieß es, bei den Anlagen werde kein klimaschädliches Gas verwendet... Backhaus: Das Gas, das wir nutzen, dient als Isoliergas. Es unterstützt beim Schalten und muss in Millisekunden den entstehenden Lichtbogen löschen. Bei uns heißt die neue Technologie Blue. Bei vielen Anwendungen haben wir bereits umgestellt, von einem Fluorgas – das war der Technologiestandard – auf ein Gas, das nur Bestandteile der Umgebungsluft enthält und absolut unschädlich ist, auch wenn es in die Atmosphäre gelangen sollte. Unsere nachhaltigen F-Gas-freien Schaltanlagen haben wir beispielsweise lange vor dem Inkrafttreten der EU-Direktive entwickelt und vertrieben. So sind wir heute in der Lage, unsere Kunden zeitnah und in großen Stückzahlen zu beliefern. Das Unternehmen Die Siemens AG (Berlin und München) ist ein führendes Technologieunternehmen mit Fokus auf die Felder Industrie, Infrastruktur, Mobilität und Gesundheitswesen. Das Unternehmen investiert 300 Millionen Euro, um die Fertigung von Schlüsseltechnologien für die globale Energiewende und KI-Rechenzentren in Deutschland auszuweiten. Im Geschäftsjahr 2025, das am 30. September 2025 endete, erzielte der Siemens-Konzern einen Umsatz von 78,9 Milliarden Euro und einen Gewinn nach Steuern von 10,4 Milliarden Euro. Zum 30. September 2025 beschäftigte das Unternehmen weltweit rund 318.000 Menschen. Wieviele dieser gasisolierten Schaltanlagen werden denn im Jahr bei Siemens produziert? Prumbs: Wir bedienen mehrere tausend Kunden im Jahr und liefern mehrere hunderttausend Anlagen aus. Das Schaltanlagenwerk Frankfurt ist das einzige Werk von Siemens in Deutschland, das gasisolierte Anlagen entwickelt, produziert und weltweit vertreibt. Bitte erzählen Sie mehr über das, was in Offenbach gearbeitet werden soll. Backhaus: Geplant ist eine schrittweise Verlagerung und gleichzeitige Kapazitätserhöhung der Blechfertigung, Behälterschweißerei, Baugruppenfertigung sowie Niederspannungskastenfertigung vom Stammwerk in Frankfurt nach Offenbach. Die freiwerdenden Flächen im Stammwerk werden genutzt, um die Fertigungskapazitäten für alle vorhandenen Schaltanlagentypen signifikant zu erhöhen. Das Laserschweißen ist eine Kerntechnologie, da unsere Edelstahlbehälter 30 Jahre und länger gasdicht sein müssen. Ab kommendem Jahr soll in Offenbach produziert werden? Backhaus: Das ist ein ambitionierter Plan, aber wir haben bei den ersten beiden Erweiterungen gezeigt, dass wir da sehr gut sind. Wir haben ein erfahrenes und motiviertes Team. Die gute Zusammenarbeit mit der Immobilieneigentümerin CPVA hilft uns ebenfalls dabei. Wir konnten früh in die Planung gehen und hatten einen guten Austausch mit den Städten, sowohl in Frankfurt als auch in Offenbach. Die Erweiterung wird schrittweise stattfinden, mit dem Ziel, im Frühjahr 2027 in Offenbach zu produzieren und in Frankfurt zu beginnen, den Output zu erhöhen. Erst wenn wir in Frankfurt Flächen umgezogen und erneuert haben, können wir beginnen, die Kapazität in der Endmontage zu erhöhen. Darüber hinaus nutzen wir Siemens-Planungssoftware, mit der wir viel im Vorfeld modellieren können und dank 3-D-Modell wissen, wie es später aussehen wird. Mit diesem Tool sowie der guten Zusammenarbeit mit der Immobilieneigentümerin und den Städten sind wir zuversichtlich, unseren Zeitplan halten zu können. Der Markt ist jetzt da und unsere Kunden möchten jetzt Schaltanlagen von uns. Deshalb ist dieser time-to-impact sehr entscheidend. Sie ziehen die Maschinen aus Frankfurt nach Offenbach um? Backhaus: Wir ziehen um, wir erhöhen die Kapazität und wir modernisieren auch. Einen signifikanten Anteil werden wir neu in Offenbach investieren. Wie schaut es mit dem Verkehr aus? Die Mühlheimer Straße ist stark belastet... Backhaus: Momentan arbeiten wir das Logistikkonzept aus. Der Standort ist sehr gut angebunden. Es wird Material geben, das zum neuen Standort in Offenbach transportiert wird, und Material, das nach Frankfurt geliefert wird. Es wird auch Pendelverkehr geben, wir wissen aber, dass einige unserer Logistikpartner anfangen, elektrisch zu fahren. Prums: Wir haben Manroland besuchen können, als in den Hallen noch Produktion war – viel mehr Material haben wir auch nicht. Was wir nicht haben werden, vielleicht ist das die gute Nachricht: Wir haben keinen LKW-Schwerverkehr. Es sollen ungefähr 600 Menschen in Offenbach im Drei-Schicht-Betrieb für Siemens arbeiten? Backhaus: Für das Schaltanlagenwerk Frankfurt und Offenbach werden wir bis 2030 schrittweise bis zu 700 neue Arbeitsplätze schaffen. Prumbs: In Offenbach werden wir 600 bis 700 Mitarbeitende beschäftigen. Diese werden wir schrittweise aufbauen. Darüber hinaus werden bestehende Mitarbeitende aus den Produktionsschritten, die wir in Frankfurt haben, nach Offenbach umziehen. Mit der Siemens-Ansiedlung ist die Hoffnung verbunden, dass MAN-Mitarbeiter eine Stelle bei Ihnen finden. Backhaus: Da wir Fachkräfte suchen, haben wir sehr, sehr früh auch bei Manroland einen Bewerbertag gemacht. Da waren wir mit über 20 Kolleginnen und Kollegen vor Ort, sowohl aus der Personalabteilung als auch aus jedem einzelnen Bereich. Für uns war der Bewerbertag ein großer Erfolg, wir hatten gute Bewerberzahlen und werden einige Bewerberinnen und Bewerber übernehmen. Prumbs: Bei dem Bewerbertag haben wir gesehen, dass Manroland einen sehr gut ausgebildeten Mitarbeiterstamm und qualifizierte Fachkräfte gehabt hat. Sie sagten, die Zusammenarbeit mit der Kommune sei sehr gut gewesen ... Backhaus: Wir haben den Kontakt zur Kommune sehr früh gesucht. Unsere Erfahrung zeigt, dass es hilft, sehr früh miteinander zu sprechen. Die Zusammenarbeit war sehr vertrauensvoll. Wenn man Gebäude übernimmt, die etwas älter sind, gibt es viele Informationen, die man von Ämtern benötigt. Für uns war die Zusammenarbeit sehr professionell, transparent und hilfreich. Das gilt aber auch für die Zusammenarbeit mit der Stadt Frankfurt. Wir investieren auch dort sehr stark, das war eine extrem gute Zusammenarbeit. Im Rhein-Main-Gebiet ist man interessiert, Industriearbeitsplätze zu erhalten, das gilt für beide Städte.

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