Die Angst vor Nachahmern: Was der Anschlag von Berlin für den Hamburger CSD bedeutet

Innenbehörde, Polizei und Veranstalter wollen Sicherheitskonzept für CSD-Demo und Straßenfest erneut unter die Lupe nehmen. Hamburg Pride richtet eine klare Forderung an die Bundesregierung.
Hamburg Die Angst vor Nachahmern: Was der Anschlag von Berlin für den Hamburger CSD bedeutet Innenbehörde, Polizei und Veranstalter wollen Sicherheitskonzept für CSD-Demo und Straßenfest erneut unter die Lupe nehmen. Hamburg Pride richtet eine klare Forderung an die Bundesregierung. Während in Berlin alle CSD-Veranstaltungen abgesagt sind und die Sicherheitsbehörden sich voll auf die Fahndung nach dem flüchtigen Täter konzentrieren, aktualisieren Innenbehörde und Polizei in Hamburg das eigentlich längst festgezurrte Sicherheitskonzept für die bereits begonnene Pride Week, die Straßenfeste und die CSD-Demo am Samstag, 1. August. „Solidarisch queer. Haltung zeigen – für eine Zukunft ohne Angst!“ So lautet das Motto der diesjährigen Hamburger Pride Week. In Berlin hat sich gezeigt, wie treffend es ist. Die Gegenwart ist nicht ohne Angst, die nimmt nach dem Anschlag im Tiergarten erst einmal deutlich zu. Auch für viele, die einen Besuch der Straßenfeste und der Demo in Hamburg geplant haben. Für den Veranstalter Hamburg Pride und auch die Innenbehörde stand eine Absage aber nicht zur Debatte. „Die Hamburger Sicherheitsbehörden tun alles, um die CSD-Demonstration und die Veranstaltungen der Pride-Week in unserer Stadt zu schützen, damit von Hamburg auch in diesem Jahr ein starkes Zeichen der Toleranz und Vielfalt ausgehen kann“, versprach Bürgermeister Peter Tschentscher. Hamburger Innenbehörde prüft Sicherheitskonzept erneut „Ein solches Fest der Liebe, der Solidarität und der Freiheit anzugreifen, ist ein Angriff auf unsere offene Gesellschaft und damit auf uns alle. Aber wir werden nicht weichen!“, sagte Innensenator Andy Grote (SPD) am Sonntag. „In Hamburg haben wir bei Veranstaltungen ein hohes Sicherheitsniveau, gerade was den Schutz vor Überfahr-Taten angeht.“ Die Innenbehörde werde „die Sicherheitsmaßnahmen für den CSD kommende Woche in Hamburg noch einmal sorgfältig überprüfen, um ein Höchstmaß an Sicherheit zu gewährleisten.“ Da waren die Worte von Innenminister Alexander Dobrindt gar nicht nötig, der bei einem kurzfristig in Berlin anberaumten Pressestatement vor „Nachahmern“ bei weiteren anstehenden CSDs warnte. Demo-Route über den Steindamm bleibt wohl bestehen Innenbehördensprecher Daniel Schäfer ergänzte gegenüber der MOPO, man werde vielleicht „nachjustieren“, aber wohl an der Route über den Steindamm festhalten. Seitens der Grünen heißt es: „Wir haben Verständnis dafür, dass die anstehende Pride Week und der CSD in Hamburg nach dieser Tat auch mit Sorge betrachtet werden. Vor diesem Hintergrund wird die Sicherheitslage selbstverständlich noch einmal neu bewertet. Zugleich sind wir überzeugt: Gerade jetzt braucht es aus Hamburg ein starkes Signal für Zusammenhalt und Vielfalt“, so die Fraktionsvorsitzende Sina Imhof. Der Anschlag auf den Berliner CSD am Samstagabend ereignete sich während des Straßenfestes, dafür ist primär der Veranstalter verantwortlich, in Abstimmung mit der Polizei, die vorab die Gefährdungslage analysiert. Als Dienstleister dafür war die Firma Ahoi Events gebucht – die auch beim Hamburger CSD auf dem dreitägigen Straßenfest rund um Jungfernstieg, Ballindamm und Rathausmarkt im Einsatz sein werden. Sie kümmern sich um die Security, Fluchtwege etc. Hamburg Pride: „Unser Straßenfest war immer lückenlos abgesperrt“ „Unser Straßenfest war immer lückenlos abgesperrt, da kann niemand reinfahren“, ist sich Manuel Opitz, Sprecher des Veranstalters Hamburg Pride sicher. Man sei in Gesprächen mit der Hamburger Polizei, mehr könne er derzeit noch nicht zu möglichen Veränderungen beim Sicherheitskonzept sagen. Was ihm aber unter den Nägeln brennt, ist ein Appell an die Bundesregierung. „Wir brauchen einfach mehr Unterstützung aus der Politik.“ Dort sei der Schutz von queeren Menschen nicht gerade ein Hauptanliegen. Das habe man schon daran gemerkt, dass der „Aktionsplan queer leben“ mit dem Regierungswechsel gestoppt worden sei. Das einzige bundesweite Förderprogramm für queere Projekte. Ziel des Aktionsplans war, die Lebenssituation von queeren Menschen zu verbessern und ein „queerfreundliches Deutschland“ zu schaffen. Zur Hamburger CSD-Parade werden am kommenden Samstag Hunderttausende Menschen erwartet. Die Pride Week hatte an diesem Wochenende begonnen.
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