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Ein Essen für Leib und Seele: Ehrenamtliche organisieren „Mittagsschmaus“

Ein Essen für Leib und Seele: Ehrenamtliche organisieren „Mittagsschmaus“

Für die Stammgäste bietet der ehrenamtlich organisierte Mittagstisch im Dörnigheimer EGZ einmal im Monat eine seltene Gelegenheit, gemeinsam zu essen.

Ein Essen für Leib und Seele: Ehrenamtliche organisieren „Mittagsschmaus“ Uns auf Google folgenFür die Stammgäste bietet der ehrenamtlich organisierte Mittagstisch im Dörnigheimer EGZ einmal im Monat eine seltene Gelegenheit, gemeinsam zu essen. Maintal – Die Stimmung an den Tischen im Foyer des evangelischen Gemeindezentrums (EGZ) in Dörnigheim ist am Dienstagmittag ausgelassen. Lachen ist zu hören, Gespräche, dazwischen klappert Besteck. Elvira Wiechert beobachtet das Treiben mit einem zufriedenen Gesicht. „Den Gästen geht es gut. Dann geht es mir auch gut“, sagt sie und lächelt. Die Dörnigheimerin ist eine von neun Ehrenamtlichen, die den Mittagstisch der Kirchengemeinde organisieren. „Mittagsschmaus. Satt und Selig“ haben sie das Angebot getauft, das einmal im Monat von 12 bis 14 Uhr im EGZ an der Berliner Straße angeboten wird. Denn beim Mittagstisch geht es nicht nur um ein warmes Essen. Mindestens genauso wichtig sind die Gespräche und das Miteinander. „Durch Corona sind viele Begegnungen verloren gegangen, auch die Besuchsdienste werden weniger. Mir war es wichtig, ein niedrigschwelliges Angebot zu schaffen, das die Menschen zusammenbringt. Sie können sich das Kochen sparen und bekommen ein offenes Ohr“, erzählt Pfarrer Eckhard Sckell, Initiator des Mittagsschmaus‘. In Laura Richter, damals noch Vikarin der Evangelischen Kirchengemeinde Dörnigheim, mittlerweile Pfarrerin in Langenselbold (wir hatten berichtet), findet er eine Unterstützerin. Im Oktober 2025 findet der Mittagstisch zum ersten Mal statt. Mit Erfolg, wie Sckell sagt: „Die Idee ist aufgegangen, vom ersten Tag an.“ Ehrenamtliches Team ist im Einsatz Wie groß der Bedarf ist, zeigen die Zahlen: Bis zu 40 Anmeldungen erhält das ehrenamtliche Team vor jedem Termin. Mehr als der Mittagstisch aufnehmen kann, erzählt Elvira Wiechert. „35 ist eigentlich unsere Obergrenze, sonst wird es zu viel. Wir wollen auch keine Massenabfertigung machen“, sagt sie. Zu den Mittagsschmäusen gehören außerdem Renate Stark, Ursula Aurbek, Anne Dehnen, Heike Minuth, Ingrid Delimara, Ilse Frenzel, Sieglinde Knaus und Margot Hoffmann. Ein großes, starkes Team ist auch nötig: Das Essen für 35 Senioren muss gekocht werden, auch für Einkäufe, das Eindecken der Tische und das abschließende Spülen braucht es viele helfende Hände. Einmal im Quartal trifft sich das Team, um Organisatorisches zu besprechen und Ideen fürs nächste Essen zu sammeln. „In der Regel kochen wir Klassiker, die jeder kennt und mag“, fasst Wiechert zusammen, was beim Mittagsschmaus auf dem Tisch landet. Grüne Soße sei ein Gericht, das sehr gut angekommen sei. Ebenso der Heringssalat nach dem Rezept von Ursula Aurbek, das mittlerweile in ganz Maintal bekannt ist. An diesem Dienstag gibt es Bratwurst vom Grill, an dem Pfarrer Eckhard Sckell höchstpersönlich steht, außerdem Couscous-, Kartoffel-, Nudel- und ein Blattsalat sowie zum Nachtisch Obstsalat mit Vanillesoße. Bevor dieser gereicht wird, gibt es für die Gäste einen Impulsvortrag. Im Juni hatte Elvira Wiechert über das Thema Glück gesprochen. Passend dazu legte sie jedem Gast einen Stein mit aufgemaltem Gesicht auf den Tisch. Die Frage, was Glück bedeutet, habe sie in erster Linie für sich selbst beantworten wollen. „Man vergisst so was schnell im Alltag“, sagt die 69-Jährige. Die meisten Gäste, die zum Mittagsschmaus kommen, sind mittlerweile Stammgäste. Aus einigen Tischnachbarschaften sind Freundschaften entstanden. Die größte Herausforderung sei, dass die Senioren sich überhaupt trauen, herzukommen. Vielen, die zurückgezogen leben, falle der erste Schritt schwer, trotz der Einsamkeit, erzählt Elvira Wiechert. Im vergangenen Jahr überredet sie ihren 93-jährigen Nachbarn, sie zum Mittagsschmaus zu begleiten. Seitdem ist er jeden Monat dabei. Auch die 90-jährige Nachbarin von Margot Hoffmann sitzt an diesem Dienstag an einem der Tische. Auch sie lebt allein, nimmt nicht teil an den Veranstaltungen, die Stadt und Kirche für Senioren wie sie anbieten. „Das ist so ein Beispiel, das zeigt: Es ist uns gelungen, dass sie herkommt. Dafür machen wir das.“ Mittlerweile kennen die Ehrenamtlichen alle Gäste persönlich. Jeder Einzelne wird in Empfang genommen und begrüßt. Heute übernimmt Margot Hoffmann diese Rolle. Die 75-Jährige engagiert sich auch im Besuchsdienst der evangelischen Kirchengemeinde Dörnigheim. Einsame Senioren gibt es viele, weiß sie. Vor allem das Essen in Gesellschaft fehlt vielen. Natürlich könnten auch Senioren in ein Restaurant gehen, wo der Mittagstisch angeboten wird. „Aber dann sitze ich da auch wieder alleine“, sagt Renate Stark. Damit sich auch jeder Gast den Mittagsschmaus leisten kann, bittet das Team lediglich um eine Spende. Drei Euro sind der Wunsch; was übrig bleibt, kommt dem Kindermittagstisch zugute. In Wirklichkeit ist der gemeinsame Mittagstisch im EGZ für die meisten sehr viel mehr wert. Das wissen sie hier alle. Einmal bedankt sich eine Seniorin bei Renate Stark. „Sie sagte: ‚Jetzt muss ich nur noch 29 Tage allein essen‘.“ Ein Satz, der nachhallt.

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