Einigung im Nahost-Konflikt?: Trump verkündet "historischen" Hamas-Deal – doch niemand bestätigt ihn

PolitikDonald Trump feiert einen angeblich historischen Durchbruch im Nahost-Konflikt: Die Hamas soll ihre Waffen niederlegen, Israel im Gegenzug den Gazastreifen verlassen. Doch weder die Hamas...
Donald Trump verkündet auf Truth Social eine angebliche Einigung zur vollständigen Entwaffnung der Hamas Weder Israel noch die Hamas haben den angeblichen Durchbruch bislang offiziell bestätigt Experten sehen erhebliche Zweifel an der Umsetzung – auch wegen der bisherigen Bilanz von Trumps Friedensrat Donald Trump sorgt mit einer überraschenden Ankündigung für Aufsehen. Der US-Präsident erklärte am Donnerstagabend (30.07.2026) auf seiner Plattform Truth Social, eine vollständige Entwaffnung der Hamas im Gazastreifen sei vereinbart worden. Trump sprach von einem "historischen" Abkommen und einem "monumentalen Schritt" hin zu dauerhaftem Frieden. Doch nur wenige Stunden später ist vor allem eines klar: Die Zweifel sind gewaltig. Weitere Meldungen rund um Donald Trump finden Sie am Ende dieses Artikels. Vollständige Entwaffnung der Hamas? Donald Trump sieht historischen Durchbruch im Gaza-Konflikt Nach Darstellung des US-Präsidenten wurde die Einigung durch das von ihm initiierte "Board of Peace" erzielt. Demnach sollen neben der Hamas auch sämtliche weiteren bewaffneten Gruppierungen im Gazastreifen ihre Waffen niederlegen. Im Gegenzug würden sich die israelischen Streitkräfte aus dem Küstengebiet zurückziehen. Für die Sicherheit soll künftig eine internationale Stabilisierungstruppe gemeinsam mit einer neu aufzubauenden palästinensischen Polizei sorgen. Ob dieser Plan tatsächlich umgesetzt werden kann, ist allerdings völlig offen. Denn bislang fehlt jede offizielle Bestätigung der beiden Konfliktparteien. Aus Kreisen der US-Regierung hieß es zwar, die Hamas habe einer Entwaffnung zugestimmt. Eine offizielle Erklärung der Islamisten blieb jedoch ebenso aus wie eine Bestätigung der israelischen Regierung. Bereits vor Trumps Posting hatten israelische Regierungsvertreter angebliche Fortschritte bei den Verhandlungen zurückhaltend bewertet. Der Hamas-Unterhändler Ghazi Hamad machte gegenüber dem Sender Al Jazeera deutlich, dass aus Sicht der Organisation noch längst keine endgültige Einigung erreicht sei. Die Entwaffnung sei unmittelbar an den vollständigen Abzug der israelischen Truppen sowie an Fortschritte beim Wiederaufbau des weitgehend zerstörten Gazastreifens gekoppelt. Die Hamas werde "keinen Schritt des Friedensabkommens umsetzen, wenn Israel seinen Verpflichtungen nicht nachkomme", sagte Hamad. Israel fordert vollständige Entmilitarisierung Gazas Auch Israels Position unterscheidet sich deutlich von Trumps Darstellung. Ein israelischer Regierungsvertreter hatte bereits vor der Ankündigung des US-Präsidenten betont, Israel bestehe auf einer vollständigen Entwaffnung der Hamas "einschließlich des Abtransports sämtlicher Waffen aus dem Gazastreifen und einer vollständigen Entmilitarisierung des Küstengebiets als Voraussetzung für jeden weiteren politischen Prozess". Den in Kairo ausgehandelten 15-Punkte-Fahrplan hält die israelische Regierung demnach für unzureichend. Solange Hamas nicht vollständig entwaffnet sei, werde die israelische Armee ihre Stellungen an der sogenannten "gelben Linie" nicht räumen. Derzeit kontrolliert Israel weiterhin mehr als die Hälfte des Gazastreifens. Gleichzeitig konnte die Hamas ihre Machtstrukturen im verbliebenen Gebiet seit Beginn der Waffenruhe wieder ausbauen. Trumps "Board of Peace" steht international in der Kritik Das Anfang 2026 gegründete "Board of Peace" gilt als Herzstück von Trumps Friedensplan für Gaza. Das Gremium soll den Wiederaufbau koordinieren und die Nachkriegsordnung organisieren. International stößt der Friedensrat jedoch auf erhebliche Kritik. Das Gremium ist stark auf den US-Präsidenten zugeschnitten, der über ein alleiniges Vetorecht verfügt. Mehrere europäische Staaten, darunter Deutschland, verweigern deshalb ihre Teilnahme. Sie sehen darin eine Konkurrenz zu den Vereinten Nationen. Zu den Mitgliedern gehören unter anderem Israel, Belarus, Katar, Saudi-Arabien und die Türkei. Trotz der seit Oktober 2025 geltenden Waffenruhe kommt es im Gazastreifen weiterhin regelmäßig zu tödlichen Zusammenstößen. Sichtbare Erfolge des Friedensrats blieben bislang aus. Umsetzung des angeblichen Abkommens bleibt völlig offen Wann die angebliche Einigung umgesetzt werden könnte, bleibt ebenfalls unklar. Ein hochrangiger US-Regierungsbeamter sprach lediglich davon, dass "in den nächsten ein bis zwei Monaten Fortschritte" möglich seien. Aus Kreisen des Friedensrats ist von einem Gesamtzeitraum von "200 bis 350 Tagen" die Rede. Ein konkreter Zeitplan liege jedoch noch nicht vor. Zur Vorsicht mahnt zudem die Vergangenheit: Bereits mehrfach wurden vermeintliche Durchbrüche im Gaza-Konflikt verkündet, die sich später als nicht tragfähig erwiesen. Während weiter über mögliche Friedensschritte verhandelt wird, verschlechtert sich die Situation der Zivilbevölkerung weiter. Hilfsorganisationen warnen, dass große Teile der rund zwei Millionen Bewohner weiterhin unter katastrophalen Bedingungen in überfüllten Zeltlagern leben. Es fehlt vielerorts an Nahrung, Trinkwasser und medizinischer Versorgung – unabhängig davon, ob Trumps angekündigter Durchbruch tatsächlich Realität wird. Weitere Meldungen rund um die Trump-Regierung finden Sie hier: Die bizarren Essgewohnheiten des US-Präsidenten Hat er sich in die Hose gemacht? Trump-Video sorgt für Spekulationen "Ich bin sprachlos!" 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