Elektromobilität-Ranking: Fördermillionen fließen bislang vor allem an ausländische Marken

Hohe Benzinpreise und staatliche Zuschüsse treiben die Nachfrage nach E-Autos. Doch das Fördergeld landet bislang selten bei deutschen Marken.
Elektromobilität-Ranking: Fördermillionen fließen bislang vor allem an ausländische Marken Uns auf Google folgenHohe Benzinpreise und staatliche Zuschüsse treiben die Nachfrage nach E-Autos. Doch das Fördergeld landet bislang selten bei deutschen Marken. Berlin – Die Nachfrage nach Stromern zieht spürbar an. Laut Kraftfahrtbundesamt (KBA) stiegen die Neuzulassungen von Elektroautos im Juni um 15,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Hohe Benzinpreise und die staatliche Kaufprämie gelten Experten zufolge als Haupttreiber dieses Trends. Doch wer kassiert eigentlich die Fördermillionen? Eine Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Julian Joswig an das Umweltministerium liefert nun überraschende Antworten. Bis Ende Juni flossen demnach 53,9 Millionen Euro an Fördermitteln an Käufer von Elektroautos, wie die Süddeutsche Zeitung berichtete. Das Antragsportal startete Mitte Mai, Förderungen lassen sich jedoch rückwirkend für alle ab 1. Januar 2026 zugelassenen Fahrzeuge beantragen. Der Fördertopf fasst insgesamt drei Milliarden Euro. Das Umweltministerium schlüsselt in seiner Antwort sämtliche bewilligten Anträge auf. Das Ergebnis überrascht: Käufer deutscher Elektroauto-Marken profitieren bislang deutlich seltener von der Prämie. Volkswagen rangiert mit lediglich 593 bewilligten Förderungen auf Platz acht – als erster deutscher Hersteller überhaupt. Leapmotor verkauft weniger Autos als VW, Käufer erhalten aber häufiger Förderung Vor dem Wolfsburger Konzern liegen europäische Produzenten sowie der chinesische Autobauer Leapmotor, der seine Stromer über Stellantis in Europa vertreibt. Die Zahlen verdeutlichen das Missverhältnis: Leapmotor verkaufte hierzulande 7.800 Fahrzeuge, Volkswagen hingegen rund 50.000. Der Förderanteil bei Käufern chinesischer Modelle fällt damit um ein Vielfaches höher aus, wie Süddeutsche berichtet. Der Listenpreis spielt bei der Förderung keine Rolle. Dadurch könnten sich preiswerte chinesische Modelle in Kombination mit der Prämie gerade für einkommensschwächere Haushalte besonders rechnen. Die Förderung richtet sich nach Antriebsart, Haushaltseinkommen und Kinderzahl. Maximal winken 6.000 Euro Zuschuss, auch Leasing ist förderfähig. Bei Leapmotor beginnen die monatlichen Leasingraten je nach Modell bereits unter 100 Euro. An der Spitze der Förderliste thronen mit 2.086 bewilligten Anträgen allerdings Kunden des US-Herstellers Tesla. Insgesamt brachte der Konzern von US-Milliardär Elon Musk in diesem Jahr hierzulande laut KBA-Statistik 30.000 Modelle auf die Straße – viele davon dürften allerdings im deutschen Werk gefertigt worden sein. Auf Platz zwei lagen Käufer des tschechischen Autoherstellers Škoda mit 1.197 bewilligten Förderanträgen. Dahinter folgten Renault mit 784 Fahrzeugen sowie Cupra und Seat. Hyundai erreichte Rang fünf. Auf Konzernebene betrachtet, führte Volkswagen das Ranking mit 2.720 geförderten Fahrzeugen der Marken Audi, Cupra, Seat, Porsche, Škoda und VW an. Dahinter lagen Stellantis mit 2.278 Fahrzeugen der Marken Citroën, DS, Fiat, Jeep, Leapmotor, Opel und Peugeot, gefolgt von Tesla. Erst zwei Millionen Stromer fahren auf deutschen Straßen Die Förderung zielt nicht darauf ab, speziell deutsche Hersteller zu stützen. Vielmehr soll sie die Elektromobilität insgesamt voranbringen. Die Vorgängerregierung hatte ursprünglich 15 Millionen E-Autos bis 2030 auf deutschen Straßen angepeilt. Im Januar zählte das KBA jedoch erst rund zwei Millionen Stromer. Die schwarz-rote Koalition bekennt sich im Koalitionsvertrag zur Förderung der Elektromobilität – konkrete Zielmarken fehlen allerdings. Mobilitätsforscher Stephan Rammler sieht die Wahl eines Elektroautos auch als Haltungsfrage. Autofahren werde wieder als „symbolischer Ausdruck einer Haltung“ zelebriert, erklärte er dem Tagesspiegel. Die deutsche Industrie sei in der Verbrennungskultur verwurzelt, weshalb ihr der Abschied so schwerfalle. Selbst Traditionsmarke Ferrari präsentierte zuletzt einen Vollelektro-Sportwagen mit 1050 PS. (Quellen: AFP, dpa, Bundesumweltministerium, Süddeutsche Zeitung, KBA, Tagesspiegel, Ferrari) (bme)
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