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Erdgeschichte: Als Europa jahrtausendelang in Flammen stand

Erdgeschichte: Als Europa jahrtausendelang in Flammen stand

Die womöglich schlimmsten Feuer der Erdgeschichte brannten in der postapokalyptischen Steppe eines sterbenden Superkontinents.

Auf dem Höhepunkt der globalen Katastrophe rollten Feuerwalzen durch Europa – und das wohl jedes Jahr. Sie waren der dramatische Schlusspunkt einer Entwicklung, die tief im heißen Erdinnern begann, einen Superkontinent zerriss und schließlich das Leben auf dem Planeten dezimierte. Wie nämlich jetzt ein Team um Bas van de Schootbrugge von der Universität Utrecht nachweist, zeugt eine als »Dunkle Zone« bezeichnete Gesteinsschicht unter Nordwesteuropa von Flächenbränden in kontinentalem Ausmaß. Wie die Arbeitsgruppe in der Fachzeitschrift »Nature Geoscience« berichtet, wüteten die Feuer in einer postapokalyptischen Farnsteppe, die durch ein Massenaussterben zu dieser Zeit entstanden war. Vor rund 200 Millionen Jahren begann der Superkontinent Pangäa auseinanderzubrechen. Dabei eruptierten an den Grabenzonen zwischen den heutigen Kontinenten Afrika und Nord- und Südamerika gigantische Spaltenvulkane. Sie bildeten nicht nur ein bis heute sichtbares, einst kontinentgroßes Lavamassiv, sondern verursachten durch das vulkanische Kohlendioxid auch einen drastischen Klimawandel. Die Folge war ein Massenaussterben am Ende der Trias, das zu den klassischen »großen fünf« Weltuntergängen der Erdgeschichte zählt. Unter anderem kollabierten dabei die ausgedehnten Wälder im Osten Pangäas. Fachleute vermuten schon lange, dass Waldbrände dabei eine Rolle spielten, denn Spuren von Bränden kennt man bereits seit Langem aus Gesteinen dieser Zeit. Die Analysen des Teams um van de Schootbrugge enthüllten jedoch eine Überraschung: Als die Bäume weg waren, gingen die Megafeuer erst richtig los. Der Arbeitsgruppe gelang es erstmals, die Brandreste präzise zu datieren und auch ihre große Ausdehnung nachzuweisen. Die bisher als Indizien genutzte Holzkohle sowie chemische Verbrennungsrückstände waren dafür nicht eindeutig genug. Deswegen verwendeten die Fachleute schwarz verfärbte Pollenkörner in Bohrkernen aus der rund 200 Millionen Jahre alten Gesteinsschicht. Sie zeigen, dass die Brände mit jener Zeit zusammenfielen, als sich Farne über die einst bewaldeten Gebiete ausbreiteten. Farne sind Pionierpflanzen und dominieren nach einer globalen Katastrophe für kurze Zeit den Planeten – zum Beispiel auch nach dem Aussterben der Dinosaurier. Doch die Bedingungen auf dem sterbenden Superkontinent waren weit extremer. Regen gab es ohnehin nur im Osten von Pangäa, und dort wechselten sich in der Phase der globalen Erwärmung extreme Regenfälle und außerordentliche Hitze und Trockenheit ab. Dadurch wucherte in der Regenzeit über Tausende Kilometer dichtes, konkurrenzloses Farngestrüpp, das in der folgenden Trockenheit zu perfektem Brennmaterial verdorrte. Blitzschläge aus heftigen Unwettern setzten es wohl in Brand. Dass in der Verbrennungsschicht alle Pollenkörner schwarz sind, deutet darauf hin, dass die Feuer dicht aufeinanderfolgten. Und Gesteinsproben aus China und Grönland legen nahe, dass dieses extreme Feuerregime über weite Regionen existierte. Womöglich brannte jedes Jahr der gesamte Osten des Superkontinents.

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