Erster Revolverheld: Der Tag, an dem Wild Bill erschossen wurde
Heute vor 150 Jahren stand ein Mann mit gezücktem Revolver im Saloon hinter Wild Bill Hickok. Es folgte das Ende eines Westernlebens, wie es prototypischer kaum sein konnte.
Nahezu unbemerkt hatte der junge Mann am 2. August 1876 den Saloon betreten und sich in Richtung des Tisches vorgearbeitet, an dem vier Männer Poker spielten. Plötzlich trat er hinter einen der Spieler, einen langhaarigen Mann, der dem Raum den Rücken zukehrte, zog seinen Revolver, richtete ihn auf dessen Hinterkopf. Dann drückte er den Abzug. Ein lauter Knall ertönte. Der Getroffene sank nach vorn. »Damn you, take that!«, brüllte der Schütze, fuchtelte mit der Waffe herum und flüchtete durch die Hintertür. Kurze Zeit später verließ eine Nachricht den Raum, die sich von den staubigen Straßen Deadwoods bald in ganz Amerika verbreitete: »Wild Bill Hickok ist tot!« Denn das Opfer des heimtückischen Mordes war einer der berühmtesten Einwohner des damaligen Amerikas. Bis heute prägt der Mann mit dem bürgerlichen Namen James Hickok das Bild des Revolverhelden, der schneller zieht als jeder andere, mit jedem Schuss trifft – und zwar immer den Richtigen. Mythos und Wahrheit waren dabei schon für seine Zeitgenossen so unauflösbar miteinander verquickt, dass sich der reale James Hickok und sein Alter Ego Wild Bill kaum auseinanderhalten ließen. Ein Umstand, an dem der Pistolero selbst nicht ganz unbeteiligt war. James Butler Hickok kam am 27. Mai 1837 in Homer, US-Bundesstaat Illinois, zur Welt, einem auch heute noch winzigen Fleckchen, das inzwischen Troy Grove heißt. Bereits in jungen Jahren war er ein ausgezeichneter Schütze. Von seinem ersten selbst verdienten Geld kaufte er sich noch als Kind eine Waffe, mit der er tagelang durch die umliegenden Wälder streunte, Spuren suchte und Tiere jagte. Zuhause verschlang er Bücher mit den Abenteuern früher Helden des Westens wie Daniel Boone und Kit Carson. So schildert es etwa der 2015 verstorbene britische Historiker Joseph G. Rosa, dessen 1964 erstmals erschienene Hickok-Biografie »They called him Wild Bill« nach wie vor als verlässlichstes Standardwerk gilt. Stützen können sich Hickok-Forscher auf unzählige verstreute Quellen, auf Briefe aus der Hand des Revolverhelden, offizielle Dokumente und eine schier unüberblickbare Masse an Zeitungsartikeln. Schon zu Lebzeiten und kurz danach versuchten Autoren und Schriftsteller, sich dem »wahren« Wild Bill zu nähern, wobei sie nicht selten unwissentlich an seiner Legende mitstrickten. Das Aufflammen des Amerikanischen Bürgerkriegs (1861–1865) erlaubte dem 24-Jährigen, der bis dahin seinen Lebensunterhalt als Scout und Fuhrmann in Kansas verdient hatte, es den Helden seiner Jugendlektüre gleichzutun: Angeblich schlich er sich als Kundschafter hinter die feindlichen Linien der Konföderierten, ritt als vermeintlicher Südstaatler monatelang undercover mit dem Feind und rettete sich nach seiner Enttarnung durch eine abenteuerliche Flucht im Kugelhagel über einen Fluss. Es ist sogar möglich, dass das stimmt. Besser belegt sind allerdings seine Einsätze als Fuhrmann bei den Versorgungstruppen und als militärischer Hilfspolizist, der Saloons kontrollierte. Auch diverse Auseinandersetzungen mit den Sioux und anderen Indianerstämmen soll er in dieser Phase überlebt haben, immer mit heiler Haut. Vermutlich wusste er wirklich mit seinen Waffen besser umzugehen als die meisten anderen. Ob er nun tatsächlich auf 30 Schritte Entfernung eine Münze traf, bevor ein normaler Schütze überhaupt in die Luft feuern konnte, sei dahingestellt. Mit Vergnügen präsentierte er jedenfalls seine Fähigkeiten vor Zuschauern im Saloon oder am Lagerfeuer. Seine Erscheinung beeindruckte nicht weniger: »Sechs Fuß [etwa 1,83 Meter], leichtfüßig, aktiv, sehnig, ein wagemutiger Reiter, todsicher mit Pistole und Gewehr, lange Locken, feine Gesichtszüge und Schnurrbart, Hirschlederhose, rotes Hemd, Hut mit breiter Krempe«, so beschreibt ihn ein Soldat 1865. Seine beiden Pistolen steckten immer mit den Griffen nach vorn am Gürtel, um sie ungehindert über Kreuz ziehen zu können. Bill nannte er sich vermutlich in Anlehnung an seinen früh verstorbenen Vater. Und »wild«? Auch um dieses Attribut ranken sich Legenden: Angeblich soll er einem Barmann zur Seite gesprungen sein, der vor einer Gruppe betrunkener Unionsanhänger lautstark seine Sympathien für die Südstaaten geäußert hatte. Der Pistolero Seinen Ruf als Revolverheld verdankt er zwei ganz unterschiedlichen Schießereien. Die erste fand im Juli 1861 statt. Damals eskalierte ein Wortgefecht zwischen dem Eigentümer der Rock Creek Station in Nebraska, einem Mann namens David McCanles, und dem Pächter dieser Raststätte, Hickoks Arbeitgeber. Was daraufhin geschah, wird in den unterschiedlichsten Varianten erzählt. Sicher ist, dass McCanles am Ende tot auf dem Boden lag, seine beiden Begleiter verwundet flüchteten und schließlich ebenfalls ihr Leben verloren. Ob Wild Bill sich zu Recht bedroht fühlte, aus dem Hinterhalt schoss oder sogar ganz jemand anderes den Abzug drückte, ließ sich bis heute nicht zweifelsfrei klären. Wild Bill wurde festgenommen, plädierte auf Notwehr und kam wieder frei. Die zweite Episode dagegen fand vor den Augen zahlreicher Zeugen statt. Sie ereignete sich vier Jahre später in Springfield, Missouri. Hier war Wild Bill mit dem fast gleichaltrigen Davis Tutt in Streit geraten. Die zwei waren ursprünglich gut miteinander ausgekommen, fanden sie doch beide als professionelle Glückspieler ein erträgliches Auskommen in der Stadt. Dann aber begannen sie sich in einer Bar in aller Öffentlichkeit zu zoffen. Hickok schulde ihm 35 Dollar, behauptete Tutt. Nein, nur 25, entgegnete Wild Bill. Irrtum, fand Tutt, er werde jetzt diese Taschenuhr hier als Sicherheit an sich nehmen. Tags drauf stolzierte er vor aller Augen mit der goldenen Beute herum. Eine Demütigung, die Hickok nicht auf sich sitzen lassen konnte. Am 21. Juli 1865, um 18 Uhr, standen sich die beiden in etwa 70 Meter Entfernung auf Springfields zentralem Platz zum Showdown gegenüber – dem ersten bekannten Duell dieser Art überhaupt. Ob Mütter ihre Kinder von der Straße holten, Büsche über den Staub rollten und irgendwo eine Mundharmonika erklang, ist nicht überliefert. »Einige Sekunden vergingen, dann zuckte Tutts Hand und seine Pistole schnellte hervor«, schreibt Tom Clavin in seinem Buch »Wild Bill. The True Story of the American Frontier’s First Gunfighter«. »In einer einzigen fließenden Bewegung hob Hickok seinen Colt, stützte den Lauf auf seinem linken angewinkelten Arm und drückte den Abzug im selben Augenblick wie Tutt. In plötzlicher und bedrückender Stille wurde der Pistolenrauch von der abendlichen Brise hinweggeblasen. Dann schrie Tutt: ›Jungs, ich bin getötet!‹« Die Kugel hatte ihn links in den Brustkorb getroffen. Auch in diesem Fall wurde Hickok festgenommen und wenig später freigesprochen. Der Medienstar Beide Vorfälle waren für die Frontier, also das Grenzgebiet im Westen der damaligen Vereinigten Staaten, nichts ganz Außergewöhnliches. Trotzdem griff sie das angesehene »Harper’s New Monthly Magazine« auf und machte sie in seiner Februarausgabe 1867 zum landesweiten Medienereignis – und Hickok zum Star. Autor des Beitrags war der Journalist George Ward Nichols, der den Berichten über das Duell nach Springfield gefolgt war. Dort hatte er den Pistolero lange interviewt. Das Ergebnis dieser Gespräche liest sich wie ein Abenteuerroman – mit dem mythischen Heros Wild Bill: »Beim Anblick seiner Gestalt dachte ich, er sei der schönste Mann, den ich je gesehen hatte. Seine vollkommenen männlichen Proportionen erinnerten an die Antike«, schrieb Nichols. Die Taten William Hitchcocks – wie er Wild Bill fälschlicherweise nannte – seien ihm vorher schon überall begegnet. »Der Held dieser seltsamen Erzählungen nahm in meiner Vorstellung Gestalt an, ähnlich wie Jack der Riesentöter oder Sindbad der Seefahrer in meiner Kindheit. Wie damals glaubte ich nun fest an die Existenz dieses Einzelnen; doch wie ein Mensch solche Wunder der Stärke und waghalsige Taten vollbringen konnte, blieb mir ein Rätsel.« Ein Wunder war auch, wie aus den drei Kontrahenten in der Schießerei an der Rock Creek Station plötzlich eine zehnköpfige Mörderbande geworden war. Die Regionalpresse im Westen reagierte mit Spott auf die Geschichte. Der »Atchinson Daily Champion« urteilte, dass Nichols’ Skizze über »Wild Bill« ein sehr lesenswerter Text sei, »was jedoch in erster Linie auf den hervorragenden Beschreibungsfähigkeiten des Autors basiert und weniger auf Fakten«. An dieser etwas weiter gefassten Vorstellung von Realität hatte Hickok selbst einen Anteil, wie die Begegnung mit einem weiteren Journalisten zeigt. Kurz nach Erscheinen des Nichols-Artikels fragte ihn der Reporter Henry Morton Stanley, wie viele »weiße Männer« er »mit sicherem Wissen« getötet habe. Wild Bill antwortete, dass es sich um mehr als hundert Männer handeln müsse. Und auf die Frage, warum er sie alle getötet habe, ob es etwa Provokationen gegeben habe, entgegnete er: »Ich habe nie einen Mann ohne einen guten Grund getötet.« Im Osten jedoch verfehlte der Artikel seine Wirkung nicht. Zahlreiche Zeitungen berichteten ebenfalls über den »gut aussehenden, ritterlichen, aber kaltblütigen Killer, der die Prärie durchstreifte«, wie der Journalist Tom Clavin die beschriebene Figur zusammenfasste. Fans machten sich auf in den Westen, um ihren Star leibhaftig zu erleben und sich von ihm durch die Great Plains führen zu lassen – für Hickok eine willkommene Einnahmequelle. Wenn die Touristen kamen, war er Reiseführer und Sehenswürdigkeit in Personalunion. Spätestens 1867 erschienen erste Groschenromane wie »Wild Bill, the Indian Slayer«, die Hickok als fiktionalisierte Figur durch ein abenteuerreiches Leben in der Prärie schickten. Das Medium hatte sich erst wenige Jahre zuvor mithilfe der Geschichten aus dem Wilden Westen etabliert und dabei die zwei klassischen Westernfiguren geschaffen: hier die charismatischen Gesetzlosen wie Billy the Kid oder Jesse James, rebellische Desperados mit ganz eigenen Moralvorstellungen, dort Männer wie Wild Bill oder Wyatt Earp – der bestehenden Ordnung verpflichtet, konservativ, gesetzestreu, wenn auch nicht immer ganz gesetzeskonform in ihren Methoden. Der Hüter des Gesetzes Im Falle Hickoks gingen die Groschenromane gar nicht so weit an der Realität vorbei: Tatsächlich übernahm Wild Bill zeitweilig Aufgaben als Gesetzeshüter: als Constable, also einer Art Dorfpolizist, später als Deputy – also stellvertretender – U.S. Marshal auf der Jagd nach Pferdedieben und Deserteuren, die Staatseigentum gestohlen hatten, dann als City Marshal, etwa im Boomtown Hays City, Kansas, wo bereits drei seiner Amtsvorgänger die Segel gestrichen hatten. Es brauchte wohl einen Mann vom Schlage Wild Bills für diese Aufgabe. Trotz der ihm nachgesagten Erfolge währten diese Engagements immer nur Monate. Was zeigt: Bill Hickok hatte kein Händchen für die Gesetzeshüterei. Kompromisse schließen, Ausgleich finden, das war seine Sache nicht. In der Regel patrouillierte er mit locker sitzenden Revolvern im Holster in der Mitte der Hauptstraßen durch die Stadt, seine Trappergarderobe hatte er gegen einen Anzug mit Gehrock getauscht. Das funktionierte so lange, bis es schließlich katastrophal schief ging: Im Oktober 1871 tötete er in Abilene nicht nur den Saloon-Besitzer Phil Coe, der aus einem Mob heraus auf der Straße mit einer Waffe wild um sich geschossen und dabei auch den Marshal ins Visier genommen hatte, sondern aus Versehen auch seinen eigenen Stellvertreter und Freund Mike Williams. Der dramatische Zwischenfall gilt als Endpunkt seiner Karriere in der Exekutive. Der Showman Doch die Popularität blieb. Wild Bill hatte sie auch als Marshal gepflegt, immer wieder Touristen aus dem Osten mit Geschichten aus seinem Leben unterhalten, seine Künste vorgeführt und dabei vermutlich an seinem eigenen Mythos geschraubt. Eine Selbstinszenierung als Held aus Groschenromanen nennt es der Historiker Louis S. Warren, für die Hickok die »populären Symbole der Frontier-Identität mit fiktiven Abenteuern verband«. Auch wenn sich immer wieder Fans in den Westen verirrten – die zahlungskräftige Kundschaft saß im Osten, wo sich Städter bei Wild-West-Shows einen wohligen Schauer über den Rücken jagen ließen, beim Gedanken an die gesetzlosen Zustände entlang der Frontier. Ein Original-Revolverheld, den man aus der Zeitung kannte, passte in dieses Konzept wie die Faust aufs Auge und versprach klingelnde Kassen. Das entging auch Colonel Sidney Barnett nicht. Der Sohn eines Museumsbetreibers auf der kanadischen Seite der Niagarafälle engagierte Wild Bill Hickok als Zeremonienmeister für die Wild-West-Show »The Daring Buffalo Chase of the Plains«. Eine »wagemutige Büffeljagd« durften die Zuschauer folglich erwarten. Und immerhin: Die Bisons waren echt, die engagierten Cowboys und Indianer wohl auch. Aber der Wagemut des Intendanten wurde nicht belohnt, die Show endete im Fiasko. Angeblich konnte man Wild Bills Rückfahrkarte nach Kansas nur finanzieren, weil man die Büffel an lokale Metzger verkaufte. Doch Hickoks Karriere im Showbusiness war noch nicht zu Ende. Einige Monate später saß er erneut auf einer Bühne, diesmal allerdings an der Seite seines alten Freundes William Cody und einem weiteren erfahrenen Mann des Westens, Texas Jack Omohundro. Ein New Yorker Verleger und Autor hatte Cody – ebenfalls ein berühmter Scout und besser bekannt unter dem Namen »Buffalo Bill« – einen Roman auf den Leib geschrieben und diesen mit ihm in der Hauptrolle auf die Bühne gebracht. Für eine zweite Show, die sich im Osten des Landes großer Beliebtheit erfreute, holte er nun Wild Bill hinzu. Das Stück »Scouts of the Plains« war keine spektakuläre Wild-West-Show, sondern vielmehr ein Theaterstück, mit Special Effects garniert. Darin retten Scouts – Hickok und Co, gespielt von sich selbst – eine junge Frau aus der Gefangenschaft feindlicher Indianer. Doch der Revolverheld fremdelte mit der Schauspielerei. Er war engagiert worden, um Zuschauer an den Broadway zu locken. Jetzt spielte der Stargast hölzern, vergaß seinen Text und war insgesamt mehr er selbst, als dem Regisseur lieb gewesen sein mochte: In einer Szene erzählten sich die drei Protagonisten Anekdoten am Lagerfeuer und reichten eine Flasche Whiskey herum. Wild Bill nahm einen großen Schluck, spuckte ihn mit großem Entsetzen wieder aus und rief: »Kalter Tee zählt nicht – entweder bekomme ich richtigen Whiskey oder ich erzähle keine Geschichte!« Die Crew besorgte tatsächlich eine Flasche Hochprozentigen, und die Szene kam so gut an, dass sie sich Abend für Abend wiederholte. Bei anderer Gelegenheit soll er auf einen Scheinwerfer geschossen haben, der ihn blendete. Trotz schlechter Kritiken war das Stück sowohl in New York als auch auf der anschließenden Tour ein großer finanzieller Erfolg. Doch Wild Bill hatte genug – im März 1874 verließ er das Ensemble und beendete seine Showkarriere. Haderte er mit dem Zwiespalt zwischen seinem wahren Ich und der Kunstfigur, die ihn zunehmend überformt hatte? Dead Man Als der 39-jährige Hickok Mitte Juli 1876 in Deadwood einritt, war er müde und voller dunkler Vorahnungen, wie Briefe zeigen. Monatelang war er als wandelndes Fossil umhergezogen, hatte Geld überwiegend am Pokertisch verdient und war sogar wegen Landstreicherei im Gefängnis gelandet. Aufgrund eines starken Augenleidens drohte er zudem zu erblinden. Eine Zukunft als ausrangierter Pistolero-Pensionär schien unausweichlich. Einen Lichtblick hatte nur die Hochzeit mit der zehn Jahre älteren Zirkusdirektorin Agnes Lake geboten, die als Marie Agnes Pohlschneider im niedersächsischen Damme geboren worden war. Kurz nach der Heirat verließ Wild Bill sie jedoch gleich wieder, um Geld zu verdienen. Zunächst versuchte er erfolglos, eine Expedition in die Black Hills auf die Beine zu stellen, wo 1874 Gold gefunden worden war. Schließlich landete er in Deadwood. Die Stadt mit ihrer knappen Handvoll fester Gebäude glich seinerzeit einem besseren Feldlager und platzte aus allen Nähten. Hier konnten sich Glücksritter mit allem Nötigen eindecken, bevor sie in die Berge aufbrachen. Ladenbesitzer, Saloonwirte und andere Gewerbetreibende versuchten, daran zu verdienen. Am Nachmittag des 2. August hatte sich Wild Bill im Saloon »Nuttall and Mann’s No. 10« zum Poker eingefunden. Üblicherweise saß er immer mit dem Rücken zur Wand, denn seine Prominenz zog Herausforderer an, die den berühmten Revolverhelden mit eigenen Waffen schlagen wollten. Diesmal jedoch stellte sich einer der Mitspieler quer, und Wild Bill musste mit dem verbliebenen Stuhl Vorlieb nehmen. Tags zuvor hatte sein Mörder McCall noch mit ihm hier am Tisch gesessen und Runde um Runde verloren – bis ihm Wild Bill ein paar Dollar für ein Abendessen in die Hand gedrückt und ihm empfohlen hatte, nach Hause zu gehen. Gut möglich, dass McCall diese Geste als Beleidigung auffasste und Rache nehmen wollte, als er ihn am nächsten Tag hinterrücks erschoss. Wild Bill Hickok war auf der Stelle tot. McCalls Kugel durchdrang seinen Schädel, trat am rechten Wangenknochen wieder heraus und traf die Hand eines seiner Mitspieler, der sie sich bis zu seinem Tod Jahrzehnte später nicht entfernen ließ. Der Revolverheld sank nach vorn und kippte wenig später seitlich vom Stuhl. »Dead Man’s Hand« nennen Pokerspieler heutzutage die Kombination aus zwei schwarzen Assen, zwei schwarzen Achten und einer weiteren Karte. Es soll das Blatt gewesen sein, das Hickok in der Hand hielt, als McCall ihn niederstreckte. Wahrheit oder Legende? Es wäre keine Episode aus Wild Bills Leben, wenn man das so genau sagen könnte.
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