Howard Carpendale auf der Freilichtbühne: Hits, Anekdoten und große Gefühle

Mit Klassikern, persönlichen Geschichten und viel Charme begeisterte Howard Carpendale rund 4.500 Fans auf der Freilichtbühne.
Konzert Howard Carpendale auf der Freilichtbühne: Hits, Anekdoten und große Gefühle Schwerin • Lesedauer: 4 min. Hello again! Er war letztes Jahr auf der Schweriner Freilichtbühne und er hat es wieder getan: Am Samstagabend begeisterte Howard Carpendale einmal mehr sein Publikum. Nicht nur mit seinen Hits, sondern auch mit seiner ebenso lockeren wie authentischen Art machte der Schlagerstar rund 4.500 Fans glücklich. Und umgekehrt? „Schwerin, ihr wart gigantisch,“ rief der mittlerweile 80-Jährige am Ende winkend von der Bühne. Heute schon wird er diesen Spruch vielleicht etwas variieren: Seine Tour geht in Dresden weiter. Oben im Video sehen Sie Howard Carpendale mit seinen größten Klassikern und den schönsten Momenten des Konzertabends. Fans reisen Hunderte Male zu Konzerten des Schlagerstars Was macht diesen Typen, der in den letzten 60 Jahren über 700 Songs veröffentlicht hat, aus? Der wichtigste Punkt ist sicher seine Liebe zum Live-Auftritt. Ob große Hallen oder Open-Air-Konzerte – man spürt, wie selbst diesen Vollprofi der direkte Austausch mit den tanzenden, singenden und klatschenden Menschen kickt. Ebenso offensichtlich: Seine enge Bindung zu den Musikern, die ihn schon lange begleiten. Stellvertretend lobte Carpendale gestern wieder seinen Bassist Frank Itt – die beiden kennen sich seit über 40 Jahren. Ebenfalls seit über 40 Jahren kennt Jürgen aus München Howard Carpendale. 1988 sang er im Publikum erstmals mit – seitdem ist er seinem Liebling tatsächlich über 200 Mal nachgereist. „Jeder Auftritt ist irgendwie anders. Der Abend in der Uber Arena in Berlin lässt sich mit der Atmosphäre hier nicht vergleichen,“ erklärt der 61-Jährige. Direkt neben ihm sitzt Christian. Er kommt aus Remscheid und war schon 215 Mal live dabei. Glaubt er, dass sich Carpendale bald für immer aus dem Showgeschäft zurückzieht? „Nein. Solange es irgendwie geht, wird er immer wieder punktuell auf die Bühne kommen,“ ist der 42-Jährige sicher. Fast als wolle er ihn bestätigen, erzählt Carpendale kurz darauf, dass Campino, der Sänger der Toten Hosen, erst kürzlich in einer Talkshow gesagt habe, dass man gehen müsse, bevor es auf der Bühne peinlich wird. „Ich fühle mich hier oben nicht peinlich“, hält er ihm lässig auf seinem weißen Barhocker sitzend entgegen. Dass die Konzerte der Hosen energetisch etwas anders abgehen als „Dann geh doch“ im Sirtaki-Takt – geschenkt. Carpendale erzählt, singt und berührt sein Publikum Apropos „Dann geh doch“. Carpendale erzählt immer wieder gerne die Geschichte dieses eingängigen Songs, der auch den letzten Besucher zum Tanzen bringt. „Ich spielte Freddy die Melodie vor und es dauerte keine zwei Stunden, da rief er mich an und hatte diesen tollen Liebesroman geschrieben.“ Fred Jay ist neben dem legendären Joachim Horn-Bernges einer der Männer, die Carpendales oft melancholischen Texte, die von Trennungsschmerz und Hoffnung handeln, zu Papier gebracht haben. Ein kurzer Auszug: „Wenn die Freiheit für Dich so viel mehr ist als ich - dann geh doch! Und ein flüchtiger Rausch ein willkommener Tausch - dann geh doch!“. Stark! Und mindestens 1.000 Handys filmen mit! Textsicher sind hier viele und auch Emma und Paula sind bei fast allen Songs Wort für Wort dabei. Sie sind Mitte Zwanzig und haben die Tickets für Schwerin von ihren Eltern zu Weihnachten geschenkt bekommen. „Wir erleben Howard Carpendale zum ersten Mal live und ich bin begeistert,“ sagt Paula. „Das Lied „Mit viel, viel Herz“ wird bei uns immer an Silvester gespielt. Meine Mutter hört alle Songs ständig rauf und runter“, ergänzt sie. Vater Marco schwärmt von der guten alten Hitparade mit Dieter Thomas Heck – mit insgesamt 57 Auftritten zählt Carpendale laut ZDF-Statistik zu den Künstlern, die die Kultsendung bis 1984 prägten. Mit „Ti Amo“ und den Zugaben erreicht der Abend seinen Höhepunkt Auf ihr Lieblingslied musste Paula gestern übrigens lange warten. Erst bei den beiden Zugaben ist es dabei. Carpendale bringt zunächst zum zweiten Mal an diesem Abend den Titel „Für immer in Blue Jeans“. Er will ihn bald auf Spotify herausbringen, wartet aber angeblich noch auf die Freigabe aus den USA. Hintergrund: Er hat die Nummer von Neil Diamond adaptiert. Danach ist es dann endlich soweit. „Ihr wollt die drei Silben, ihr kriegt die drei Silben“, sagt Carpendale und sowohl die Fans als auch die 12 Musiker hinter dem Sänger geben gegen 22.30 Uhr noch einmal alles. Sein Evergreen „Ti Amo“ geht immer, „Ti Amo“ verbindet Generationen – aus dem Publikum wird endgültig ein großer Chor. Vor fast 50 Jahren übernahm Carpendale den Hit vom italienischen Sänger Umberto Tozzi. Getextet hat die deutsche Fassung der besagte Fred Jay. Genau genommen ist das aber gar nicht so wichtig. „Ti Amo“ macht - auch wenn es wieder um das schmerzhafte Ende einer Liebe geht – schlagartig gute Laune. Und Howard Carpendale sagt ja immer wieder: „Entscheidend ist, was ihr heute bei mir gefühlt habt.“
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