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Kunst, Musik und Literatur begeistern in der Kunststation Kleinsassen

Kunst, Musik und Literatur begeistern in der Kunststation Kleinsassen

Es war ein vielfältiger, bunter Sommersonntag in der Kunststation Kleinsassen: die neue Studio-Schau des Italieners Samuele Canestrari wurde eröffnet, sie entstand mit Unterstützung des italienischen Freundeskreises. Zur "Halbzeit" der Sommerausstellungen führte anschließend die Kuratorin Dr. Elisabeth Heil durch "Augenlust" und "On the Road". Begleitet wurde die Veranstaltung mit jazziger Klaviermusik von Ursel Schlicht. Und zum Schluss las der Antiquar Manfred Borg aus einem vergessenen Buch. [image-1-v]Die Pianistin entlockte ihrem Instrument harte und schwierige Töne, die dann in leichtere jazzige Klänge übergingen. Ihre Eigenkomposition führte uns Gäste eindringlich in die Ausstellung des Künstlers. So waren wir Besucher gut "eingespielt" für die Wahrnehmung der etwa zwei Dutzend Zeichnungen und Siebdrucke ohne Titel im Studio. Bereits im Vorraum empfingen uns eigenartige Bilder von ihm mit Graphit auf Papier: Jemand frisst ein Tuch. Einem Mann ist der...

28.07.26 - Es war ein vielfältiger, bunter Sommersonntag in der Kunststation Kleinsassen: die neue Studio-Schau des Italieners Samuele Canestrari wurde eröffnet, sie entstand mit Unterstützung des italienischen Freundeskreises. Zur "Halbzeit" der Sommerausstellungen führte anschließend die Kuratorin Dr. Elisabeth Heil durch "Augenlust" und "On the Road". Begleitet wurde die Veranstaltung mit jazziger Klaviermusik von Ursel Schlicht. Und zum Schluss las der Antiquar Manfred Borg aus einem vergessenen Buch. Die Pianistin entlockte ihrem Instrument harte und schwierige Töne, die dann in leichtere jazzige Klänge übergingen. Ihre Eigenkomposition führte uns Gäste eindringlich in die Ausstellung des Künstlers. So waren wir Besucher gut "eingespielt" für die Wahrnehmung der etwa zwei Dutzend Zeichnungen und Siebdrucke ohne Titel im Studio. Bereits im Vorraum empfingen uns eigenartige Bilder von ihm mit Graphit auf Papier: Jemand frisst ein Tuch. Einem Mann ist der Mund geknebelt. Der Eselkopf schielt nach einer Mohrrübe. Zwischen Neorealismus und Surrealismus Im Studio fielen sofort 18 gleichgroße Arbeiten ins Auge, die im ähnlichen Stil alltägliche Situationen zeigen: Ein Mann trinkt. Eine Frau schlürft Suppe. Jemand fährt im Boot. Einen Esel oder einen Strommast. Die Arbeiten, meist ohne Hintergründe, wirken zunächst trist, etwas von Käthe Kollwitz oder Picasso inspiriert. Sie erinnern in ihrer sozialkritischen Klarheit auch an die Filme des italienischen Neorealismus. Erst später erfährt man, dass sie die Vorlagen für die Drucke aus dem Buch "Mosto" des Künstlers sind. Canestrari erzählt darin von seinen Gefühlen, als er aus der Großstadt nach Modigliana kam, wo er heute lebt und arbeitet. Daneben beschreibt er mit poetischen Worten exemplarisch seine Begegnung mit Riccardo, einem lokalen Mostmacher. Seine weiteren Bilder sind etwas abstrakter, einige der dargestellten seltsamen Wesen lösen sich tanzend auf. Ebenso rätselhaft erscheint die massige nackte Figur auf einem riesigen Papierbogen, der die – von ihm? – aufgezeichnete Straßen betastet. Mitunter sind die Hände und Füße der Gestalten irritierend auf einfache Striche reduziert. Ein anderes Triptychon zwischen den Fenstern zeigt einen Mann zwischen zwei Frauen, eine von ihnen beißt in ein Tuch, bei der anderen ist der Kopf durchgestrichen. Auch der Mann frisst den Stoff. Nach dem "sozialkritisch" wirkenden "Mosto" sind alle weiteren Figuren und Situationen deutlich surrealer und offener interpretierbar. Kunst, Musik und Literatur bilden eine Einheit Im Studio wird eine eher düstere Welt als harter Kontrast zu den farbenfrohen Arbeiten der beiden großen Sommerausstellungen der Kunststation gezeigt. Doch "Augenlust" und "On the Road", durch die Dr. Heil nach des Künstlers Vernissage führte, sind keineswegs nur gefällig oder unkritisch. Wie eng Gegensätze zusammengehören können, machte zuvor bereits Ursel Schlicht mit ihrer Eigenkomposition "Deep Friendship" deutlich: harte und weiche Klänge, Höhen und Tiefen, Lautes und Leises standen einander gegenüber. Eine Wand im Studio ist übrigens der Partnerschaft der Kommune Hofbieber mit sechs Gemeinden der Comunità Montana Acquacheta gewidmet. Der italienische Freundeskreis in der Rhön fördert seit 2008 diese "lebendige Partnerschaft", machte Vereinsvorsitzende Regina Goldbach in ihrer Begrüßung des Publikums deutlich. Gemeinsam habe man (auch) schon viele Ausstellungen mit initiiert. Zum Schluss des Events las Manfred Borg aus Wolfgang Hildesheimers Buch "Tynset "vor. Diese dreiviertelstündige Lesereihe mit literarischen Fundsachen findet immer am letzten Sonntag im Monat um 17:30 Uhr statt. Hier sollen vergessene Bücher neu entdeckt werden. Dieser abwechslungsreiche Nachmittag zeigte, wie selbstverständlich sich in der Kunststation Ausstellungen, Musik und Literatur miteinander verbinden können. (Hanswerner Kruse) +++

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