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Pulverfass Arktis: Russland baut seinen Einfluss immer weiter aus

Pulverfass Arktis: Russland baut seinen Einfluss immer weiter aus

Das Wettrennen in der Arktis geht weiter. Wirtschaftliche Interessen treiben Länder genauso an, wie geopolitische Interessen.

Pulverfass Arktis: Russland baut seinen Einfluss immer weiter aus Uns auf Google folgenDas Wettrennen in der Arktis geht weiter. Wirtschaftliche Interessen treiben Länder genauso an, wie geopolitische Interessen. München – Die Arktis ist längst zum geopolitischen Spielball der Großmächte geworden. Spätestens seit den Annexionsplänen von US-Präsident Donald Trump in Bezug auf Grönland ist klar, dass das Rennen zwischen den Vereinigten Staaten, Russland und China in vollem Gange ist. „Die Vereinigten Staaten benötigen Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit“, ließ Trump Anfang des Jahres auf seiner Online-Plattform Truth Social verlauten. „Die NATO sollte uns den Weg ebnen, um es zu erlangen. Wenn wir es nicht tun, werden es Russland oder China tun, und das wird nicht passieren!“ Eine Welle der diplomatischen Empörung folgte. Wo der US-Präsident aber recht hat ist, dass sowohl Russland, als auch China in die Arktis drängen. Der Grund dafür ist recht simpel: Durch die zunehmende Eisschmelze werden neue Gebiete und Schifffahrtswege erschließbar. Auch militärisch ist die Region von größter Bedeutung. Am nördlichsten Punkt trennen nur wenige Kilometer Meer die USA und Russland voneinander. Und im globalen Rennen um kritische Rohstoffe werden die damit freigelegten Fördergründe ebenfalls zum Anreiz, beim Rennen in der Arktis vorn zu liegen. Geopolitisches Rennen in der Arktis – Russlands Einfluss wächst Russland scheint aktuell beim Vorstoß in der Arktis an seinen Kontrahenten vorbeizuziehen. Das berichtete Business Insider (BI) auf Grundlage der Analyse von Satellitenbildern, Wärmebildaufnahmen, Schifffahrtsdaten und Militärkarten. Das Land erschließt demnach unter Präsident Wladimir Putin im Zuge der Eisschmelze wichtige Gas- und Öllieferrouten im arktischen Meer. Alleine 2025 habe Russland mit rund 100 Fahrten auf der nördlichen Seeroute etwa drei Millionen Tonnen an Fracht verschifft. Das geht laut BI aus Daten des Center for High North Logistics hervor. Wichtig dafür ist die riesige Eisbrecherflotte Russlands. Mit 42 Schiffen, darunter 13 schweren Eisbrechern, gilt sie als die größte der Welt. Laut der russischen Nichtregierungsorganisation Arctida, die von Russland als „unerwünschte Organisation“ geführt wird, lahmt der Bau neuer russischer Eisbrecher allerdings. So habe Moskau in den vergangenen drei Jahren lediglich einen atombetriebenen Eisbrecher in seine Dienste gestellt. Außerdem sollen mindestens drei Schiffe aus der Flotte zwischen 2026 und 2027 ihre maximale Nutzungsdauer erreichen. Das bringe die Arktisambitionen Russlands in Bedrängnis. Dennoch bleibt die Flotte im Vergleich zu den USA gigantisch. Denn die Vereinigten Staaten verfügen nur über einen einzigen schweren Eisbrecher. Insgesamt verfügt das Land über drei arktistaugliche Schiffe. Doch Trump will die Flotte erweitern. Wie die BBC berichtete, suchen die USA dafür Hilfe in Finnland. Das Land gelte in Sachen Eisbrecher als absoluter Spitzenreiter und habe 80 Prozent aller derzeit betriebenen Schiffe entworfen. Trump habe dazu sogar die Regel außer Kraft gesetzt, dass Schiffe der US-Streitkräfte nur im Inland gebaut werden dürfen. Die Gründe seien „aggressives militärisches Auftreten und wirtschaftliche Übergriffe ausländischer Gegner“ – gemeint sind Russland und China. Militärische Vorherrschaft in der Arktis – Russland baut seinen Einfluss aus Aber nicht nur wirtschaftlich treibt Russland seinen Einfluss in der Arktis voran. Laut BI baut das Land seit den 2010er Jahren die militärische Struktur in der Region immer weiter aus. Auf Satellitenbildern seien U-Boot-Basen, Häfen und Flugplätze zu sehen. Teilweise befinden sich die nur noch wenige hundert Kilometer von Alaska und damit von den USA entfernt. Doch der Ukraine-Krieg könnte den russischen Ambitionen in der Arktis zumindest teilweise einen Strich durch die Rechnung machen. Denn militärisch und wirtschaftlich sieht es immer schlechter aus. Die seit Jahren andauernde Invasion frisst nicht nur Unmengen an Geld, sondern zehrt auch am verfügbaren Personal Russlands. „Während Russland seine Fähigkeit, in der Arktis zu operieren, durch die Konzentration auf die Kampfbereitschaft und den Einsatz von Dual-Use-Technologien und -Einrichtungen zur Verteidigung verbessert hat, hat sein Krieg mit der Ukraine seine Fähigkeit eingeschränkt, seine arktischen Ambitionen vollständig zu verwirklichen“, heißt es in der jährlichen Bedrohungsanalyse 2026 der US-Geheimdienstgemeinschaft. Gleichzeitig erkennt der Bericht die Bedrohung an, die von russischen Atomstützpunkten in der Arktis ausgeht. „Der Großteil der russischen Streitkräfte in der Arktis ist auf der Kola-Halbinsel konzentriert, wo etwa zwei Drittel der russischen Nuklearstreitkräfte für einen Gegenschlag stationiert sind“, so der Bericht. Neben atomar bewaffneten U-Booten befänden sich dort auch Langstrecken-Raketensysteme. Und trotz der wohl stockenden Eisbrecher-Beschaffung habe Putin geäußert, die Flotte weiter ausbauen zu wollen. Bis 2030 soll ein „Eisbrecher, der zum leistungsstärksten atomgetriebenen Eisbrecher der Welt werden könnte“, in Betrieb gehen. Europa profitiert weiter von Russlands Arktis-Geschäft So bedrohlich die Situation im arktischen Meer auch ist, so sehr profitiert die EU von dem immer noch fließenden russischen LNG. Denn laut der Umweltschutzorganisation Urgewald kaufte die EU in der ersten Jahreshälfte 2026 Flüssiggas im Wert von schätzungsweise 5,96 Milliarden Euro vom russischen LNG-Projekt in der Arktis-Region Yamal. Für die Analyse wurden Daten des Informations- und Analyseanbieters Kpler untersucht. Die Zahlen würden eine „deutliche Steigerung“ der bisherigen Lieferungen aus Russland an die EU bedeuten, so Urgewald. „Europa kauft nicht einfach nur russisches LNG. Es nimmt fast die gesamte Produktion eines der strategisch wichtigsten LNG-Projekte Russlands auf.“ Und damit würden auch die Kriegsbestrebungen Russlands im Ukraine-Krieg unterstützt. Zum 1. Januar 2027 soll die Einfuhr von russischem Flüssiggas in die EU verboten werden. Und dann ist da noch China – Wettrennen um die Vorherrschaft in der Arktis Doch nicht nur Russland und die USA wollen in der Arktis mehr Einfluss gewinnen. Auch China baut angesichts der Möglichkeit, neue Rohstoffvorkommen und Handelswege zu erschließen, die Arktis-Flotte aus. Laut der Stiftung Wissenschaft und Politik hat China 2024 damit begonnen, aus dem Schatten Russlands in der Arktis-Politik herauszutreten. Bereits 2014 habe Staatschef Xi Jinping verlauten lassen, eine „bedeutende Polarmacht“ werden zu wollen. Damit einher ging auch eine tiefere Zusammenarbeit zwischen China und Russland. Vor allem in der arktischen Nordostpassage hätten die beiden Länder tiefgreifende Abkommen geschlossen. Dass die steigende Aktivität Chinas eine Gefahr darstellen könnte, wies das Land nach entsprechenden Äußerungen von NATO-Generalsekretär Mark Rutte in diesem Monat zurück. „Die Arktis betrifft die Gesamtinteressen der internationalen Gemeinschaft. Chinas Aktivitäten in der Arktis zielen darauf ab, Frieden, Stabilität und nachhaltige Entwicklung in der Region zu fördern und stehen im Einklang mit dem Völkerrecht“, zitierte die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu Ajansı eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums. (Quellen: Truth Social, Business Insider, Arctida, BBC, Annual threat assessment 2026, Urgewald, Stiftung Wissenschaft und Politik, Anadolu Ajansı) (nhi)

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