Scheidung mit 55: So lässt sich die Altersvorsorge neu ordnen

Eine Scheidung mit 55 ist nicht nur das Ende einer Ehe. Es ist der Moment, in dem viele Frauen zum ersten Mal wirklich allein auf ihre Finanzen schauen. Ein Schritt-für-Schritt-Überblick.
Scheidung mit 55: So lässt sich die Altersvorsorge neu ordnen Uns auf Google folgenEine Scheidung mit 55 ist nicht nur das Ende einer Ehe. Es ist der Moment, in dem viele Frauen zum ersten Mal wirklich allein auf ihre Finanzen schauen. Ein Schritt-für-Schritt-Überblick. Eine Scheidung mit 55 fühlt sich anders an als mit 35. Die Kinder sind groß. Die gemeinsamen Jahre sind viele. Was aufgebaut wurde, ist real. Und was jetzt geteilt wird, auch. Was dabei fast immer fehlt, ist ein klarer Überblick darüber, was die Scheidung für die eigene Altersvorsorge bedeutet. Was steht zu? Was geht verloren? Was lässt sich neu aufbauen? Content-Partnerschaft Dieser Artikel entstand in einer Content-Partnerschaft mit Fortunalista.de. Diese Fragen sind lösbar. Aber sie brauchen einen klaren Kopf und konkrete Informationen. „Eine Scheidung mit 55 ist kein finanzielles Ende“, sagt Margarethe Honisch, Finanzexpertin und Gründerin von Fortunalista. „Es ist ein Neuanfang mit anderen Voraussetzungen. Wer weiß, welche Hebel es gibt, steht besser da als gedacht.“ Was die Scheidung mit der Altersvorsorge macht Bei jeder Scheidung findet automatisch ein Versorgungsausgleich statt. Das bedeutet: Alle Rentenansprüche, die beide Partner während der Ehezeit erworben haben, werden hälftig aufgeteilt. Wer mehr Rentenpunkte gesammelt hat, gibt ab. Wer weniger hat, bekommt dazu. Für Frauen, die während der Ehe beruflich zurückgesteckt haben, Elternzeit genommen haben oder in Teilzeit gearbeitet haben, ist der Versorgungsausgleich oft ein echter Vorteil. Sie erhalten Rentenpunkte übertragen, die ihre monatliche Rente erhöhen. Was das konkret bedeutet: Bei 25 Ehejahren und einem Unterschied von 18 Rentenpunkten zwischen beiden Partnern werden 9 Punkte übertragen. Bei aktuellem Rentenwert von 40,79 Euro entspricht das rund 367 Euro mehr Rente monatlich. Über 20 Jahre Rentenbezug: fast 88.000 Euro. Was nicht unter den Versorgungsausgleich fällt: private ETF-Depots, Sparkonten und Immobilien. Diese werden im Rahmen des Zugewinnausgleichs behandelt. Schritt 1: Den eigenen Rentenstand ermitteln Der erste Schritt nach einer Scheidung oder während des Scheidungsverfahrens ist die Bestandsaufnahme. Was steht im eigenen Rentenkonto? Die jährliche Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung gibt Auskunft über die bisher erworbenen Rentenanwartschaften. Wer keine aktuelle Information hat, kann sie online oder schriftlich anfordern. Was dabei zu prüfen ist: Sind alle Kindererziehungszeiten eingetragen? Pro Kind bis zu drei Jahre, beantragt über Formular V0800. Fehlen Ausbildungszeiten oder Pflegezeiten? Sind alle Beschäftigungsverhältnisse korrekt erfasst? Fehlende Zeiten lassen sich noch nachmelden. Zwei vergessene Jahre bedeuten fast 20.000 Euro mehr Rente über 20 Jahre. Schritt 2: Den Versorgungsausgleich verstehen Der Versorgungsausgleich ist komplex. Was er konkret für die eigene Situation bedeutet, hängt von der Länge der Ehe, den jeweiligen Rentenansprüchen und weiteren Faktoren ab. Was grundsätzlich gilt: Der Versorgungsausgleich berücksichtigt die gesetzliche Rente, bestimmte betriebliche Vorsorgeformen und einige private Rentenversicherungen. Was er nicht berücksichtigt: private ETF-Depots und klassische Sparkonten. Wer den Versorgungsausgleich versteht, weiß, ob er die eigene Rentenposition verbessert oder verschlechtert. Und wer das weiß, kann entscheiden, ob Einspruch sinnvoll ist oder nicht. Eine auf Familienrecht spezialisierte Anwältin ist in dieser Phase kein Luxus. Sie ist eine Notwendigkeit. Schritt 3: Alle Verträge und Vermögenswerte erfassen Viele Frauen, die lange in einer Partnerschaft lebten, in der der Partner die Finanzen übernommen hat, stehen nach der Scheidung vor einer unbekannten Landschaft. Welche Versicherungen gibt es? Welche Altersvorsorgeverträge? Welche gemeinsamen Konten, Depots, Immobilien? Was dabei oft überrascht: Auch der Partner hatte möglicherweise nicht immer alles im Blick. Alte Kapitallebensversicherungen, vergessene Betriebsrentenansprüche, stillgelegte Sparverträge. Eine vollständige Bestandsaufnahme aller Vermögenswerte ist der Ausgangspunkt für alles, was danach kommt. Was nicht bekannt ist, kann nicht geteilt und nicht genutzt werden. Schritt 4: Die eigene Rentenlücke neu berechnen Nach dem Versorgungsausgleich sieht das Rentenbild anders aus. Möglicherweise besser als erwartet, wenn Rentenpunkte übertragen wurden. Möglicherweise anders als geplant, wenn Verträge neu strukturiert werden müssen. Was jetzt neu zu berechnen ist: Monatlicher Bedarf im Alter minus voraussichtliche Nettorente nach Versorgungsausgleich. Diese neue Zahl ist die Grundlage für alles, was folgt. Schritt 5: Die eigene Vorsorge neu aufbauen Hier beginnt der Neuanfang. Und er hat mehr Substanz, als viele nach einer Scheidung glauben. Wer mit 55 neu aufbaut, hat noch zehn bis fünfzehn Jahre bis zur Rente. Was in dieser Zeit möglich ist, ist mehr als gedacht. - Eigenes Depot. Ein monatlicher ETF-Sparplan, der auf den eigenen Namen läuft. Was hier aufgebaut wird, gehört ausschließlich der Anlegerin. Keine Aufteilung, kein Versorgungsausgleich, keine Abhängigkeit. 200 Euro monatlich bei 6 Prozent Rendite über 12 Jahre: rund 40.000 Euro. Bei 4 Prozent Entnahme: rund 133 Euro monatliches Zusatzeinkommen, dauerhaft. - Betriebliche Altersvorsorge. Wer noch erwerbstätig ist, sollte die betriebliche Altersvorsorge ausschöpfen. Der gesetzliche Arbeitgeberzuschuss von mindestens 15 Prozent ist faktisch sofortige Rendite. - Freiwillige Einzahlungen in die Rentenkasse. Für Frauen mit Lücken im Rentenkonto oder niedrigen Ansprüchen können freiwillige Einzahlungen die monatliche Rente spürbar erhöhen. - Altersvorsorgedepot ab 2027. Staatliche Förderung bis zu 540 Euro jährlich, kombiniert mit ETF-Investment. Für Frauen ab 55 mit Kindern besonders attraktiv. Schritt 6: Die psychologische Dimension ernst nehmen Eine Scheidung mit 55 ist nicht nur eine juristische und finanzielle Angelegenheit. Sie ist eine der emotional herausforderndsten Phasen im Leben. Was dabei oft passiert: Finanzielle Entscheidungen werden in einem Zustand getroffen, der von Schmerz, Erschöpfung und Unsicherheit geprägt ist. Das sind keine guten Bedingungen für langfristige Weichenstellungen. Was hilft: keine überstürzten Entscheidungen. Verträge nicht sofort kündigen, Depots nicht sofort umschichten, Angebote nicht sofort annehmen. Wer Zeit hat, nutzt sie. Was auch hilft: Unterstützung holen. Eine Anwältin für Familienrecht, eine unabhängige Finanzberaterin, die Verbraucherzentrale für einen ersten kostengünstigen Überblick. „Eine Scheidung verändert alles“, sagt Margarethe Honisch. „Aber sie muss nicht das Letzte sein, was passiert. Was danach aufgebaut wird, gehört ausschließlich der Frau, die es aufbaut.“ Was sich verändert, wenn die Ordnung steht Viele Frauen berichten, dass die finanzielle Neuordnung nach einer Scheidung etwas verändert, das über die Zahlen hinausgeht. Zum ersten Mal wirklich wissen, was man hat. Zum ersten Mal selbst entscheiden, wohin das Geld geht. Zum ersten Mal ein Depot, das nur auf den eigenen Namen läuft. Was als Krise begann, endet nicht selten als Neuanfang mit mehr Klarheit, mehr Eigenverantwortung und mehr Selbstbestimmung als zuvor. „Ich sehe das immer wieder“, sagt Margarethe Honisch. „Frauen, die nach einer Scheidung zum ersten Mal wirklich ihre Finanzen in die Hand nehmen. Und die dann nicht mehr verstehen, warum sie so lange gewartet haben.“ Zweistündiger Online-Workshop zur Altersvorsorge für Frauen Im kostenlosen Live-Workshop rechnen Frauen ihre persönliche Rentenlücke direkt selbst aus, nur mit dem Handy und inklusive Inflation und Steuern. SPIEGEL-Bestsellerautorin Margarethe Honisch erklärt verständlich, was die Rentenreform konkret bedeutet und wie sich die Lücke Schritt für Schritt schließen lässt, in jeder Lebensphase und schon ab kleinen Beträgen. Kostenlos · Live · Für Einsteigerinnen. Anmeldung und Termine unter finanzen.fortunalista.de/kostenloser-renten-workshop-2026. Scheidung mit 55 ist ein Einschnitt. Finanziell, emotional, biografisch. Was danach möglich ist, hängt davon ab, wie schnell der Überblick hergestellt wird und welche Hebel genutzt werden. Der Versorgungsausgleich, fehlende Rentenpunkte, ein eigenes Depot, betriebliche Vorsorge: Wer alle Möglichkeiten kennt, hat eine andere Ausgangslage. Nicht dieselbe wie vor der Scheidung. Aber eine eigene. Und das ist mehr wert, als es sich im ersten Moment anfühlt.
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