Science·

Sex matters: So klappt es mit dem Sex im Urlaub

Sex matters: So klappt es mit dem Sex im Urlaub

Viele freuen sich auf Sex im Urlaub. Doch sie werden leicht enttäuscht, sagt der Sexualtherapeut Carsten Müller – es sei denn, man hat Alternativen im Gepäck. Eine Kolumne.

»Nächste Woche fahren wir nach Frankreich, und eigentlich freuen wir uns sehr. Denn Urlaub bedeutet für uns auch Sex: Wir haben beide im Sommer einfach mehr Lust als sonst, und die Kinder sind in der Betreuung. Aber diesmal wird’s irre heiß, fast 40 Grad. Wir fragen uns, ob dann was läuft. Neulich hatten wir hier in der Stadt ein paar heiße Nächte und haben uns vor lauter Schwitzen nicht mal berührt! Wie soll das erst im Urlaub werden?« (Carla, 37 Jahre, mit Jannis, 32 Jahre)* Bringen wir das Sommersex-Dilemma auf den Punkt: Sonne macht Lust, Hitze macht schlapp. Die aphrodisierende Kraft der Sonne ist recht gut erforscht: Wissenschaftler in Tel Aviv fanden heraus, dass UV-Licht auf der Haut die Produktion von Sexualhormonen ankurbelt. Labormäuse wurden brünftig, und bei menschlichen Studienteilnehmenden ging mehr Sonne mit mehr Verlangen und höheren Testosteronwerten einher. Wenig Textil, viel Haut, mehr Licht sind also eigentlich optimale Voraussetzungen für mehr Verlangen. Dann jedoch haut die Realität voll rein. Mit tropischen Nächten, in denen wir kaum schlafen – schon gar nicht miteinander. Mit Temperaturen, die den Körper in den Ruhemodus zwingen. Geht da noch was oder geht da nichts mehr? Die Ausgangslage ist in der Regel simpel: Fast alle Paare wollen im Urlaub Sex haben. Egal, in welchen Krisen sie stecken – Sex gehört für viele zum Urlaub einfach dazu. Deswegen empfehle ich: Packen Sie einen imaginären Sexkoffer für den Urlaub. Genauso selbstverständlich, wie Sie Sonnencreme mitnehmen. Genauso sorgfältig, wie Sie Ihre Anreise planen. Der gelungene Urlaub fällt nicht vom Himmel. Auch Sex im Urlaub wird besser, wenn Sie ihn vorbereiten. Wer ein paar Ideen im Gepäck hat, gerät nicht in Panik, wenn der erste Versuch scheitert Der Sexkoffer nimmt keinen Platz weg und wiegt nichts. Denn wir füllen ihn nicht mit Sextoys oder Spitzenunterwäsche, sondern mit Gesprächen und Gedanken. Wir beginnen mit zwei Fragen. Erstens: Wollen wir Sex, und wenn ja, wie sorgen wir dafür? Zweitens: Was genau soll passieren – haben wir konkrete Wünsche? Carla und Jannis wollten auf jeden Fall mehr Sex haben als zu Hause. Diesen Wunsch auszusprechen, finden viele Paare bereits hilfreich, weil sie ein gemeinsames Ziel haben. Ja zum Sex! Bleibt die Frage: Wie geht das trotz Hitze? Fangen wir mit den Dingen an, die ohnehin zum Sommeralltag gehören – und die Lust fördern. Wir können uns gegenseitig mit Sonnenschutz eincremen. Uns gegenseitig mit Eiswürfeln streicheln. Oder abends zusammen unter die kühle Dusche steigen. Aus beiläufigen Körperkontakten kann sich mehr entwickeln, muss aber nicht. Und wenn es für Berührungen zu heiß ist, kann man einander zumindest beim Solo-Sex zusehen. Das ist nicht schlechter, sondern einfach Sex, der umständehalber anders aussieht. Kommen wir jetzt zur zweiten Kofferpack-Frage: Was wünschen Sie sich konkret? Carla antwortete sofort: »Sex im Wasser!« – davon träume sie schon lange. Aber Jannis schien Zweifel zu haben. In der Fantasie ist vieles schön und aufregend – bis wir über die konkrete Umsetzung nachdenken. Der Hotelpool kommt dafür eher nicht infrage. Auch am Strand ist tagsüber zu viel los. Mit der Dunkelheit kommen die Mücken. Und im Meer findet man keinen Halt oder es piekst unter den Füßen. - Die Kolumne »Sex matters« Was ist guter Sex? Was hält mich davon ab? Diesen und weiteren Fragen widmet sich der Sexual- und Paartherapeut Carsten Müller in seiner Kolumne »Sex matters«. Seit 2013 berät er in seiner Duisburger Praxis zu Fragen rund um Sexualität und Partnerschaft. 2026 erschien sein neuestes Buch »Love, Peace & Wir« im Verlag Edition Michael Fischer. Auch Sie möchten ein Thema für die Kolumne vorschlagen? Dann schreiben Sie eine E-Mail an: Liebe@spektrum.de - Wer kann weiterhelfen? Die Kolumne soll dazu anregen, über eigene Bedürfnisse und Grenzen nachzudenken. Sie ersetzt weder eine ärztliche Beratung noch das persönliche Gespräch mit einem Therapeuten. Wenn man allein nicht weiterweiß, kann es helfen, mit jemandem zu sprechen, der sich auskennt. Im deutschsprachigen Raum gibt es zahlreiche Therapie- und Beratungsangebote – hier eine Auswahl: Eine Übersicht über Beratungsstellen geben die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und die Organisation pro familia. Mit Sextra bieten Teams von pro familia Beratung per Onlineformular und Mail. Therapeutenlisten führen etwa die Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung, die Deutsche Gesellschaft für Sexualmedizin, Sexualtherapie und Sexualwissenschaft sowie das Institut für Sexualtherapie. Jugendliche finden Hilfe auf sexundso.de. Deshalb ist die beste Vorbereitung manchmal ganz praktischer Art, zum Beispiel: Badeschuhe einpacken. Oder am Pool nur das Vorspiel – und dann ab ins Hotelzimmer unter die Dusche. Wer ein paar Ideen im Gepäck hat, gerät nicht in Panik, wenn der erste Versuch an der Hitze scheitert. Entspannte Menschen denken offener und finden auch bei 40 Grad im Schatten einen Weg. Carla und Jannis haben meine Praxis mit einem ziemlich vollen Koffer verlassen. Was sie in Frankreich ausgepackt haben, weiß ich nicht. Aber sie hatten verstanden: Urlaubssex ist kein Muss. Er darf anders sein und kann sich gerade deswegen richtig gut und erholsam anfühlen. *Namen geändert Und nun sind Sie dran! Packen Sie vor Ihrer nächsten Reise als Paar den Sexkoffer. Beantworten Sie dafür zwei Fragen – erst jeder für sich, dann gemeinsam: Was ist unser Anspruch an Sex im Urlaub? Und welche konkreten Wünsche bringe ich mit? Besprechen Sie beides miteinander.

This is a summary. Read the full article at the original source.

Read full article at spektrum