Spahn-Erleichterung – dann ist Schluss mit Merz' Sommerlaune
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Keine Sommerlaune bei Friedrich Merz: Im Sommerinterview wirft er dem ZDF Einseitigkeit vor – und dass es „immer nur“ seine Kritiker zeigt. Wenigstens scheint das Feuern seines Fraktionsvorsitzenden Jens Spahn zur Entspannung beigetragen zu haben. Es sieht nach der Chance auf Regierungsumbildung aus.
Er fordert mehr Leistung. Mehr Leistung von uns allen. Wie aber steht es bei Friedrich Merz mit der Leistung? 20 Minuten Sendezeit schenkt das ZDF dem Bundeskanzler, damit er im so genannten Sommerinterview seine Politik und die seiner Regierung erklären kann. Kann der 70-Jährige die Chance nutzen – oder leistet er sich bei den aktuellen Themen Fehler? Das Politik-Geschenk des ZDF hat Jahrzehnte Tradition Die Sommerinterviews des ZDF haben eine lange Tradition. Seit den 80er-Jahren schon bietet das öffentlich-rechtliche Fernsehen führenden Politikern dieses Forum während der Sommerpause des Parlaments. Bundeskanzler Helmut Kohl hielt am Wolfgangsee Hof. Gerhard Schröder lud das Fernsehteam in seine Heimatstadt Hannover ein. Der Grüne Joschka Fischer verursachte Klimaschäden, weil er sich an seinem Urlaubsort in der Toskana interviewen lassen wollte. Angela Merkel sprach zu den Zuschauern ganz konservativ am Regierungssitz in Berlin. Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich für das Hochsauerland entschieden. Den zweiten Tag ist der Bundeskanzler gerade hier. Und es ist zu wünschen, dass er nicht die ganze Urlaubszeit im blauen Anzug verbringt, mit dem er einen bemerkenswerten Kontrast zur Ferienlandschaft mit See und Segelbooten im Hintergrund bildet. „Können Sie hier noch abschalten?“, will Interviewerin Diana Zimmermann in der ersten Frage wissen. „Gestern war es nicht so ganz einfach“, erfahren wir. Erst am Abend sei es gelungen. Heißt im Klartext: Ein gefeuerter Jens Spahn trägt klar zur Entspannung des Kanzlers bei. Merz hat Spahn die Kommunikationsfehler überlassen „Zunächst einmal ging mir das Wohl des Kindes durch den Kopf“, sagt der Kanzler. Glaubwürdig ist das kaum. Zu offensichtlich war die Doppelmoral des Leihmutter-Vaters Spahn. „Ich habe ihm die Kommunikation überlassen“, berichtet Friedrich Merz. Das lässt sich auch so verstehen, dass er seinen Fraktionsvorsitzenden seine Fehler selber machen lassen wollte. „Fühlen Sie sich hintergangen?“, fragt Diana Zimmermann. „Das will ich hier nicht bewerten“, erhält sie als Antwort. Das klingt eher nach einem: Ja. Tatsächlich hat das Land gerade wichtigere Probleme als den Kinderwunsch eines CDU-Politikers. Trotzdem hält das ZDF sich und seine Zuschauer noch mit Personalfragen auf. Wenn schon der Fraktionsvorsitzende gehen muss, wäre das nicht die Chance für eine Regierungsumbildung? Merz lächelt und sagt nichts. Außer: „Das könnte eine Gelegenheit sein.“ Nehmen wir das einfach wieder als: Ja. AfD, Linke, Grüne – „alles derselbe Sound!“ Dann ist erst einmal Schluss mit guter Laune. „Ich will zugeben, ich bin aus der letzten Sitzungswoche des deutschen Bundestages sehr besorgt nach Hause gefahren“, berichtet Friedrich Merz und begründet das so: „Weil wir eine Tonlage hatten im Parlament – von der AfD sind wir es gewöhnt, von den Linken mittlerweile auch -, aber auch von den Grünen mittlerweile. Das war alles derselbe Sound.“ Das Reformpaket? „Sie haben das als Entlastung verkauft“, stellt die ZDF-Frau fest. 81 Prozent der Befragten im ZDF-Politbarometer empfinden die tatsächlichen Belastungen als „eher ungerecht verteilt“. „Das Wichtigste war, den drohenden Anstieg der Beiträge zur Sozialversicherung zu stoppen“, erklärt sich der Bundeskanzler Er fügt hinzu: „Mindestens zwei Reformen werden folgen!“, Mag gut sein, dass das mancher der Zuschauer eher als Drohung empfindet. Und am Ende schimpft der Kanzler über ZDF-Einseitigkeit Die Tonalität der Politik greift Diana Zimmermann gleich danach auf. „Vielen Menschen treten Sie relativ harsch auf““, stellt sie fest. Das ZDF spielt einen Redeausschnitt ein. „Kulturpessimisten, Untergangspropheten, Nöler, Nörgler, Empörte, Berufskritiker – wegtreten!“, hat der Kanzler öffentlich aufgefordert. Und seine Reaktion, als er sich mit seinem doch ebenfalls speziellen „Sound“ sieht? Er lächelt. Er schüttelt den Kopf. Und er sagt: „Das ist doch nur ein kleiner Ausschnitt aus meiner Rede gewesen – das war unvollständig gewesen. Ich bin’s einfach leid, dass nur schlechtgeredet wird über Deutschland.“ Diana Zimmermann kontert geschickt: Auch er, der Kanzler, rede doch schlecht. Schließlich habe er den Arbeitnehmern „relativ pauschal“ unterstellt, dass sie nicht genug arbeiten. Da verliert sich die gute Sommerlaune. „Sie zeigen immer nur diejenigen, die Kritik an mir äußern!“, schimpft der Kanzler. Da hilft dann auch die Seenlandschaft im Hintergrund des Sommerinterviews nicht mehr. Die Segelboote mögen Rückenwind haben. Die Regierung muss mit dem Gegenwind klarkommen.
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