Szenenews aus der Astronomie: Auszeichnungen der Astronomischen Gesellschaft für das Jahr 2026
Die Astronomische Gesellschaft ehrt im Jahr 2026 Personen, die sich in der Astronomie besonders verdient gemacht haben.
Jedes Jahr ehrt die deutsche Astronomische Gesellschaft (AG) Personen, die sich in der astronomischen Forschung und in der Vermittlung der Astronomie besonders verdient gemacht haben. Im Juli gab der Vorstand bekannt, wer ausgezeichnet wird: Marta Volonteri erhält die Karl-Schwarzschild-Medaille, Cornelis P. Dullemond den Astrophysikalischen Softwarepreis, Caroline Gieser den Ludwig-Biermann-Preis, Maximilian Häberle den Promotionspreis, Florian Freistetter den Bruno-H.-Bürgel-Preis und Klaus Hünig den Hans-Ludwig-Neumann-Preis. Alexander Leukert und Leon Heinisch wurden mit dem Jugend-forscht-Sonderpreis ausgezeichnet. Die AG verleiht die Karl-Schwarzschild-Medaille 2026 an Marta Volonteri, Directrice de Recherche am Institut d’Astrophysique de Paris (CNRS). Sie wird für ihre wegweisenden Beiträge zum Verständnis der Entstehung und Entwicklung massereicher Schwarzer Löcher sowie deren Rolle bei der Entwicklung des Universums ausgezeichnet. Ihre Arbeiten haben unser Verständnis grundlegend erweitert, wie Schwarze Löcher mit Massen von Millionen bis Milliarden Sonnenmassen in den Zentren von Galaxien entstehen und wie ihre Entwicklung eng mit Galaxien und großräumigen kosmischen Strukturen verknüpft ist. Durch die Verbindung theoretischer Modellierung mit der Interpretation astronomischer Beobachtungen hat sie das entscheidende Zusammenspiel zwischen dem Wachstum Schwarzer Löcher, der Galaxienentstehung, Akkretionsprozessen, Sterndynamik und der Entwicklung des Universums bei hohen Rotverschiebungen aufgezeigt. Für die Konzeption, Entwicklung und langjährige Betreuung der Strahlungstransport-Software RADMC-3D verleiht die AG den Astrophysikalischen Softwarepreis 2026 an Cornelis P. Dullemond. RADMC-3D ist ein weitverbreitetes Softwarepaket in der modernen Astrophysik. Es bietet Forschenden einen leistungsfähigen Rahmen zur Modellierung des Strahlungstransports in Gasen und Staub sowie zur Erzeugung synthetischer Beobachtungsdaten, die direkt mit astronomischen Messungen verglichen werden können. Durch seine breite internationale Nutzung hat RADMC-3D wesentlich dazu beigetragen, theoretische Modelle in überprüfbare Vorhersagen zu überführen und bedeutende Fortschritte beim Verständnis des Universums zu ermöglichen. Seit dem Jahr 2010 ist Dullemond Professor an der Universität Heidelberg. Caroline Gieser erhält den Ludwig-Biermann-Preis 2026 für ihre herausragenden Beiträge zum Verständnis der Entstehung von Sternen. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch einen ganzheitlichen Ansatz aus, der Beobachtungen mit anspruchsvoller physikalischer und chemischer Modellierung verbindet sowie grundlegende Erkenntnisse über die Entwicklung sternbildender Regionen über ein breites Spektrum von Massen und Entwicklungsstadien hinweg liefert. Caroline Gieser forscht am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg. Den Promotionspreis 2026 verleiht die AG an Maximilian Häberle für seine bahnbrechenden Beiträge zur Erforschung Schwarzer Löcher und stellarer Systeme. Im Rahmen seiner Promotion erstellte er einen bislang einzigartigen astrometrischen Katalog mit Daten von mehr als 1,4 Millionen Sternen in Omega Centauri, dem massereichsten Sternhaufen im Milchstraßensystem. Dabei identifizierte er eine kleine Population besonders schneller Sterne im Zentrum des Haufens und konnte zeigen, dass ihre Bewegungen nur durch die Existenz eines mittelschweren Schwarzen Lochs mit mehr als 8000 Sonnenmassen erklärt werden können. Seine Doktorarbeit entstand am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg. Heute ist er unabhängiger Postdoc an der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Garching. Florian Freistetter erhält den Bruno-H.-Bürgel-Preis 2026 für seine außerordentlichen Erfolge, Astronomie einem breiten Publikum durch Bücher, Podcasts, Blogs und Live-Auftritte nahezubringen. Seine Bücher haben astronomische Konzepte und Entdeckungen einer großen Leserschaft vermittelt. Mit äußerst erfolgreichen Formaten wie »Astrodicticum Simplex«, einem der meistgelesenen Wissenschaftsblogs im deutschsprachigen Raum, sowie Podcasts wie »Sternengeschichten« oder »Das Universum« und Kolumnen wie »Freistetters Formelwelt« hat er Astronomie für ein breites und vielfältiges Publikum verständlich, spannend und alltagsrelevant gemacht. Er studierte Astronomie und promovierte an der Universität Wien. Nach wissenschaftlichen Stationen an mehreren Einrichtungen wechselte er 2011 in die Tätigkeit als freier Wissenschaftsautor und Wissenschaftskommunikator. Der Hans-Ludwig-Neumann-Preis 2026 wird an Klaus Hünig für sein lebenslanges Engagement für eine innovative und praxisorientierte astronomische Bildung verliehen. Bereits in den 1980er-Jahren entwickelte er neben seiner Arbeit als Lehrer Lehrmodelle und Bausätze, mit denen Schülerinnen und Schüler astronomische Phänomene durch eigenes Experimentieren unmittelbar erfahren konnten. Im Lauf der Jahre weitete sich dies auf Mathematik, Physik und Optik aus und führte zu einer bemerkenswerten Sammlung von Unterrichtsmaterialien, die heute an Schulen im gesamten deutschsprachigen Raum eingesetzt werden. Nach seinem Ausscheiden aus dem Schuldienst widmete sich Klaus Hünig vollständig der Entwicklung didaktischer Materialien im eigenen AstroMedia-Verlag. Alexander Leukert und Leon Heinisch vom Isolde-Kurz-Gymnasium Reutlingen gewannen beim Bundeswettbewerb »Jugend forscht« den 1. Preis im Fachgebiet Geo- und Raumwissenschaften und erhielten darüber hinaus den von der Astronomischen Gesellschaft vergebenen Sonderpreis für eine Arbeit aus dem Bereich Astronomie. In ihrem Projekt untersuchten sie, ob sich die Bahnen von Satelliten vorhersagen lassen, die sich zwischen einem Planeten und dessen Monden befinden. Die Preisverleihungen finden im Rahmen der Jahrestagung der Astronomischen Gesellschaft vom 7. bis 11. September 2026 in Garching statt. (AG/AMü)
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