Uni-Gebäude seit 17 Jahren nicht übertragen – Initiative übt Kritik

Die Bürgerinitiative Historische Mitte wirft der Justus-Liebig-Universität vor, denkmalgeschützte Gebäude verfallen zu lassen. Für manche Übertragungen wurden 17 Jahre benötigt.
Uni-Gebäude seit 17 Jahren nicht übertragen – Initiative übt Kritik Uns auf Google folgenDie Bürgerinitiative Historische Mitte wirft der Justus-Liebig-Universität vor, denkmalgeschützte Gebäude verfallen zu lassen. Für manche Übertragungen wurden 17 Jahre benötigt. Gießen – Die Bürgerinitiative Historische Mitte Gießen nimmt Stellung zu den durch die Hausbesetzung in der Hein-Heckroth-Straße bekannt gewordenen Leerstandsbetrieben der Universität. Man sei „erfreut und gleichzeitig irritiert“ über die Anzahl und die anstehende Veräußerung der leer stehenden Liegenschaften der Justus-Liebig-Universität (JLU). „Endlich scheint sich in dieser Sache etwas zu bewegen und wir hoffen, dass sowohl die JLU, als auch das Land Hessen ihren Ankündigungen zeitnah Taten folgen lassen. Jahrelang wurden unsere Hinweise auf den Sanierungsstau, den Leerstand und den Verfall der größtenteils historischen Gebäude seitens der politisch Verantwortlichen überhört, wir wurden vertröstet und mitleidig belächelt“, heißt es in einer Pressemitteilung. Unter dem ehemaligen JLU-Präsidenten Joybrato Mukherjee sei das Interesse am Erhalt der alten Bausubstanz verschwindend gering gewesen, attestiert die Bürgerinitiative. „Umso erfreuter sind wir nun, dass die neue Präsidentin Katharina Lorenz hier einen Willen und Interesse zur Veräußerung ‚unbrauchbarer Liegenschaften‘ zeigt.“ Man teile ihre Meinung, dass Hausbesetzung keine geeignete Methode sei, um in einen Austausch zu gelangen. Die Historische Mitte verweist allerdings darauf, dass sie selbst sich bezüglich der Immobilien bereits im Februar schriftlich an die Präsidentin gewandt habe und bis zum heutigen Tag auf eine Antwort warte. „Gerne können wir dies auf unseren Social-Media-Kanälen als offenen Brief veröffentlichen, für eine Zusammenarbeit stehen wir hier natürlich immer noch zur Verfügung“, so die Initiative. „Uns stellt sich die Frage, wie man in Teilen 17 Jahre für die Übertragung von Gebäuden benötigt.“ An mangelnden Kaufinteressenten beziehungsweise Sanierungsträgern liege dies nicht. „Diese Immobilien kosten den Steuerzahler immense Summen und die Sanierungskosten steigen von Jahr zu Jahr. Durch den Leerstand und die geringen Erhaltungsmaßnahmen sinkt hier nicht nur der Gebäudewert, sondern auch die Glaubwürdigkeit.“ Dabei könne das Stadtbild durch eine Sanierung der Gebäude profitieren und positiv aufgewertet werden, argumentiert die Historische Mitte. „Hinzu kommt, dass hunderte Millionen Euro in den Neubau von Gebäuden fließen, die nach 20 Jahren saniert werden müssen, und die alten, wesentlich solideren Gebäude mehr als stiefmütterlich behandelt werden.“ „Bedenkt man nun, dass von der Übertragung bis zur Sanierung der lange Weg der Verwaltung eingehalten werden muss, bleibt nur zu hoffen, dass es nicht für das ein oder andere Gebäude zu spät ist“, argumentiert die Initiative. „Je größer der Verfall, desto schlechter die Aussicht auf Veräußerung und Sanierung.“ Dabei weist die Initiative ausdrücklich auf Paragraf 13 des hessischen Denkmalschutzgesetzes hin, welcher besagt, dass Eigentümer gesetzlich verpflichtet sind, ihre Baudenkmäler im Rahmen des Zumutbaren zu erhalten und pfleglich zu behandeln. Dies gelte auch für das Land Hessen (in diesem Fall das Ministerium für Wissenschaft und Kunst). „Leider ist der Rahmen des Zumutbaren ein weit dehnbarer Zeitraum ohne Endpunkt“, so Jan-Patrick Wismar, Vorsitzender der Bürgerinitiative Historische Mitte Gießen.
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