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Unsichtbare Drohne: Wie Sie sehen, sehen Sie nichts

Unsichtbare Drohne: Wie Sie sehen, sehen Sie nichts

Seit Jahren versuchen Forscher, Roboter mittels Tarnfarben oder transparenten Materialien verschwinden zu lassen. Eine neue Drohne trickst dagegen die menschliche Wahrnehmung aus.

Um ein Objekt verschwinden zu lassen, muss man nicht unbedingt sein Aussehen verändern. Ein Team der US-amerikanischen Northwestern University hat eine Drohne auf ungewöhnliche Weise nahezu unsichtbar gemacht: Statt das Fluggerät durch Tarnfarben oder transparente Materialien mit dem HIntergrund zu verschmelzen, nutzen sie eine Schwäche der menschlichen Wahrnehmung aus. Das Objekt mit dem Namen »Phantom Twist« rotiert im Flug bis zu 25-mal pro Sekunde um sich selbst. Dadurch verschwimmt es für das menschliche Auge zu einer diffusen, halbtransparenten Wolke. Ganz unsichtbar wird die Drohne zwar nicht – man kennt das vielleicht von sich schnell drehenden Ventilatoren –, hebt sich aber deutlich weniger vom Hintergrund ab als herkömmliche Varianten. Das Phänomen nennt sich Bewegungsunschärfe und ist ein grundlegender Effekt der menschlichen Wahrnehmung: Auge und Gehirn erfassen visuelle Eindrücke nicht augenblicklich, sondern verarbeiten Lichtreize über einen kurzen Zeitraum hinweg. Bewegt sich ein Objekt in dieser Zeit sehr schnell, werden seine Konturen unscharf und einzelne Details verschwimmen. Die Grenze liegt bei etwa 25 Bildern pro Sekunde. Das Team um Projektleiter Michael Rubenstein stellte das Ergebnis Mitte Juli 2026 auf einer Robotik-Konferenz in Sydney vor. »Die meisten Ansätze zur Tarnung von Drohnen zielen darauf ab, sie wie ihre Umgebung aussehen zu lassen«, sagt der Professor für Informatik und Maschinenbau an der McCormick School of Engineering der Northwestern University. »Wir wollten die Drohne an die Art und Weise anpassen, wie Menschen Bewegung wahrnehmen.« Die Idee, ein Objekt durch permanente Bewegung weniger sichtbar zu machen, sei bislang noch kaum erforscht. Der Schlüssel zum Effekt liegt im Aufbau des Geräts. Während herkömmliche Quadrokopter vier Rotoren besitzen und ihr Rumpf weitgehend stillsteht, verfügt die »Phantom Twist« nur über einen Motor und einen Propeller. Der Propeller dreht sich in die eine Richtung, während der übrige Drohnenkörper in die entgegengesetzte Richtung rotiert. Um das Design zu entwickeln, erzeugten die Forschenden zunächst rund 20 000 theoretisch flugfähige Konfigurationen am Computer. Anschließend ordneten Algorithmen und KI-basierte Verfahren zentrale Komponenten wie Motor, Elektronik, Batterien und Gegengewichte immer wieder neu an. Die vielversprechendsten Entwürfe wurden anschließend vor verschiedenen Hintergrundbildern simuliert. Ein Computermodell, das die menschliche Wahrnehmung nachahmt, bewertete dabei, wie auffällig die jeweiligen Drohnen erschienen. Die besten Varianten durchliefen weitere Optimierungsschritte. Nach Angaben des Teams ist ihr Fluggerät etwa zehnmal weniger sichtbar als ein konventioneller Quadrokopter. Ganz gelöst ist das Tarnproblem allerdings nicht. Der Propeller erzeugt weiterhin hörbare Geräusche, und auch Kabel sowie Trägerstrukturen bleiben teilweise sichtbar. Künftige Versionen sollen daher transparentere Materialien und leisere Antriebe erhalten. Offen bleibt zudem, wie sich das Konzept mit einer Kamera oder anderen Nutzlasten vereinbaren lässt. Da die gesamte Drohne rotiert, würden auch Aufnahmesysteme mitdrehen. Die vorgestellte Drohne demonstriert daher vor allem ein neuartiges Sichtbarkeitskonzept, weniger eine unmittelbar einsatzfähige Beobachtungsplattform.

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