Wie wollen Sie einen Rechtsruck in der CDU verhindern, Frau Hoppermann?

Die Hamburger Bundestagsabgeordnete Franziska Hoppermann ist neue CDU-Generalsekretärin. Mit der MOPO hat sie über die kommenden Wahlen, den Kampf gegen die AfD und ihre wichtigste Aufgabe gesprochen.
Hamburg Wie wollen Sie einen Rechtsruck in der CDU verhindern, Frau Hoppermann? Die Hamburger Bundestagsabgeordnete Franziska Hoppermann ist neue CDU-Generalsekretärin. Mit der MOPO hat sie über die kommenden Wahlen, den Kampf gegen die AfD und ihre wichtigste Aufgabe gesprochen. Franziska Hoppermann sitzt seit 2021 für die Hamburger CDU im Bundestag – nach der Personalrochade an der Bundesspitze ist sie neue Generalsekretärin ihrer Partei. Im Interview mit der MOPO sagt die 44-Jährige, wie sie weiterhin für ihren Wahlkreis da sein will, was die Partei jetzt braucht und wie ein interner Rechtsruck im Wettkampf mit der AfD verhindert werden soll. MOPO: 2021 wollten Sie schon einmal CDU-Generalsekretärin werden – im Team von Norbert Röttgen, der gegen Friedrich Merz verlor. Hätten Sie gedacht, dass ausgerechnet Merz Sie einmal für dieses Amt vorschlagen würde? Franziska Hoppermann: Es spricht dafür, dass wir seitdem sehr eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten. Ich war jetzt über 15 Monate seine Schatzmeisterin, und daraus hat sich eine noch engere Zusammenarbeit entwickelt. In Umfragen steht die CDU gerade weniger gut da. Was sehen Sie jetzt als Ihre wichtigste Aufgabe als Generalsekretärin? Es kommt jetzt darauf an, Vertrauen wieder zurückzugewinnen. Das heißt: Zuhören, was sind die Themen der Menschen, was bewegt die Basis und die Partei? Die CDU will Wähler von der AfD zurückgewinnen, schließt aber jede Annäherung aus. Wie wollen Sie einen Rechtsruck in der CDU verhindern? Diese Frage bekomme ich auch in genau die andere Richtung gestellt. Sie werden gefragt, wie sie verhindern wollen, dass die CDU zu weit nach links rückt? Ja, und daraus wird unsere Herausforderung deutlich: Als Volkspartei müssen wir die Gesellschaft in der Mitte zusammenhalten. Sowohl der rechte Rand als auch der linke Rand sind mit unseren Positionen nicht vereinbar. Manche behaupten, dass die Gefahr von links genauso groß ist wie die von rechts. Was sagen Sie dazu? Angesichts der Umfragewerte kommt die Bedrohungslage hauptsächlich von der AfD. Für uns als Mitte-Rechts-Partei ist das besonders bedrohlich. Aber wenn Sie sich Berlin ansehen: Da ist es links. Unsere Aufgabe ist es, das Land in der Mitte zu regieren. In der CDU gibt es sowohl die liberale Strömung eines Daniel Günther als auch die konservative eines Christoph Ploß. Wie wollen Sie diese Ausrichtungen in der Partei zusammenbringen? Uns verbinden die soziale Marktwirtschaft und das christliche Menschenbild. Gleichzeitig braucht eine Großstadt teilweise andere Antworten als der ländliche Raum. Diese unterschiedlichen Perspektiven gehören zu einer Volkspartei. Als Nächstes steht die Wahl in Sachsen-Anhalt an, wo die AfD in Umfragen deutlich vorn liegt. Was würde es für die CDU bedeuten, wenn die AfD stärkste Kraft wird – geriete dann auch Friedrich Merz unter Druck? Wir kämpfen in Sachsen-Anhalt, um wieder den Ministerpräsidenten zu stellen. Ich werde selbst viele Termine in Sachsen-Anhalt übernehmen. Ein AfD-Ministerpräsident wäre eine Zäsur für unser Land – das müssen wir verhindern. Friedrich Merz trägt Regierungsverantwortung für ganz Deutschland. Daran wird sich auch nach den anstehenden Wahlen nichts ändern. Sie sind die dritte Frau in der CDU-Geschichte, die Generalsekretärin wird – nach Angela Merkel und Annegret Kramp-Karrenbauer. Ist das ein Zeichen, dass sich etwas verändert in der CDU, oder ist das eine Ausnahme? Ich glaube, es ist ein Zeichen dafür, dass es normaler wird, dass es Frauen und Männer bei uns in der CDU in Führungspositionen gibt und es mehr auf Vertrauen ankommt. Sie bleiben weiter Hamburger Bundestagsabgeordnete. Wie verhindern Sie, dass Hamburg für Sie nur noch eine Wochenendstation ist? Diese Situation haben fast alle Generalsekretärinnen und Generalsekretäre. Natürlich bin ich jetzt viel in den Wahlkämpfen unterwegs, aber für meinen Wahlkreis werde ich mir immer Zeit nehmen. Dort ist meine politische Heimat. Was nehmen Sie aus Hamburg persönlich immer nach Berlin mit? In meiner fast 20-jährigen kommunalpolitischen Erfahrung aus der Bezirksversammlung in Wandsbek habe ich gelernt, das Ohr dicht bei den Menschen zu haben. Und das Hanseatische: Sich Dinge auch mal mit Ruhe und Gelassenheit anzusehen und zu bewerten.
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